Die Bezirksverordneten von Steglitz werden heute eine endgültige Entscheidung zum Denkzeichen auf dem Hermann-Ehlers-Platz treffen. Seit fast zwei Jahren dauert der Streit um eine Spiegeiwand. die an die Steglitzer Juden erinnern soll.Im Bezirk wird um Meter gefeilscht. Grund ist der erste Preis eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbes. Die siegreichen Architekten Joachim von Rosenberg und Wolfgang Göschel schlugen vor, eine elf mal 3,50 große Spiegeiwand als Gedenkstätte für die Steglitzer Juden zu errichten.Streit um GrößeBeide Seiten der Wand sollten mit spiegelnden Edelstahiplatten verkleidet sein. Außerdem sollten rund 2 000 Namen jüdischer Bürger sowie die Geburtsdaten und Adressen auf der Grundlage von Deportationsilsten der Nazis eingraviert werden.Doch die Fraktionen von CDU, FDP und Republikanern sprachen sich von Anfang an gegen dieses Denkzeichen aus. Es sei überdimensioniert, provoziere zum Beschmieren und vernachlässige jüdische Persönlichkeiten und deren besondere Leistungen für den Bezirk. Für die preisgekronte Spiegelwand stimmten indes die SPD und Bündnis 90/ Grüne. "Wenn wir das Mahnmai nicht bekommen, stellt das eine nachträgliche Beleidigung der Opfer des Holocaust dar", formulierte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Kugler.Im Juni vergangenen Jahres beschloß dann das Bezirksparlaxnent: "Die Arbeit des ersten Preisträgers ist zu realisieren. Der Entwurf ist unter Vorgaben zu überarbeiten." Es sollten ergänzend jüdische Persönlichkeiten hervorgehoben, ein Vergleich zwischen dem Holocaust und aktueilen Geschehnissen unterbleiben sowie die endgültige Größe festgelegt Historiker, Mitarbeiter des Bezirksamtes und der erste Preisträger gehörten, wurden damit beauftragt.Doch der vorgelegte Bericht löste die nächste Streitwelle im Bezirk aus"Die Vorgaben wurden von der Arbeitsgruppe nicht eingehalten", bemängelte Baustadtrat Ren" Rögner-Francke (CDU). Und so brachte er in die Februar-Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eine Dringiichkeitsvorlage ein, wonach vom Denkmal "ersatzlos Abstand zu nehmen ist". Die Bezirksverordneten überwiesen die Vorlage in den Bauund Volksbildungsausschuß.Beide Gremien votierten mit den Stimmen von CDU, FDP und Republikanern gegen die Realisierung der Spiegelwand und ersatzweise für eine Gedenktafel, die an die ehemalige jüdische Synagoge erinnern soll. Ende April schaltete sich Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) ein. Er zog inzwischen das Verfahren an sich. Die Mitglieder der Fraktionen von CDU, FDP und Republikanern kritisierten das Vorgehen des Senators. Nagel ist davon überzeugt, egal wie die Abstimmung auf der heutigen Bezirksverordnetenversammlung ausgeht, daß Ende des Jahres das Denkzeichen auf dem Hermann-Ehlers-Platz stehen wird.Mehrere AnträgeAuf der Tagesordnung der Steglitzer Bezirksverordnetenversammlung stehen mehrere Anträge und Anfragen zum Thema Spiegeiwand. So soll unter anderem über die bereits in die Februar-BVV eingebrachte Dringlichkeitsvorlage des Baustadtrates abgestimmt werden. Außerdem liegt ein Antrag der Fraktion Bündnis9o/Grüne vor, in dem eine Reallsierung der Spiegeiwand "auf der Grundlage des Arbeitsgruppenberichtes" gefordert wird. Steffi BeySo soll ein Teilstück der geplanten Spiegeiwand aussehen.