KREUZBERG Seit mehr als fünf Jahren steht der Bunker in der Fichtestraße nahe der Hasenheide leer. Ideen für eine künftige Nutzung des eingetragenen Baudenkmals gibt es zahlreiche - aber dem Bezirk als Eigentümer fehlt das Geld.Angst vor dunklen Räumen darf man nicht haben. Nachdem die Stahltür zufiel, ist es stockfinster im Fichtebunker. Nur eine Taschenlampe zeigt einen kleinen hellen Ausschnitt vom Gang. Verwirrend sind die Wege durch den Außenring, den Innenring, die quer dazu verlaufenden Stichwege Ein Treppenhaus kommt ins Blickfeld, die nächste Etage ist das Ebenbild der letzten. "Hier hat während des Krieges die Bevölkerung der Umgebung oft für mehrere Tage und Nächte Schutz gesucht", sagt Kreuzbergs Baustadtrat Matthias Stefke (CDU) und beschreibt mit der Taschenlampe einen Kreis. Das spärliche Licht fällt auf zellenförmige Räume, die oft nicht größer sind als fünf bis sieben Quadratmeter. Die Räume waren 1941 nachträglich eingebaut worden, auf insgesamt fünf Etagen sind sie verteilt. Jeweils an einer Stelle des runden Ganges liegen die verstaubten Reste von Toilettenanlagen - "Waschraum" steht in verwitterten Sütterlin-Buchstaben auf den dazugehörigen Türen. "Es ist schade, daß das schöne große Gebäude leer steht", meint Stefke. Andere meinten dies auch und suchten nach Konzepten. Das Planungsbüro "Atelier 36" nahm im Auftrag des Bezirksamtes den Bau unter die Lupe und erarbeitete mehrere Varianten für eine künftige Nutzung. Rund 8 000 Quadratmeter einschließlich der Dachetage wären zu vergeben.Da ist die Idee, den Bunker in einen riesigen Energiespeicher umzubauen. Laut Horst Degenhardt vom "Atelier 36" eine vergleichsweise einfach zu realisierende Nutzung: Der runde, rot-gelb geklinkerte Bau stünde als Speichervolumen bereit. Während des Sommers würde die Abstrahlungswärme der Sonne über Luft- und Wasserkollektoren gesammelt, in der kalten Jahreszeit könnte dann mit der gespeicherten Wärme geheizt werden. Etwas bau- und kostenintensiver wäre da schon die Umsetzung von Variante B: der Einbau einer Bibliothek. Nach dem Umbau der Kuppel und dem Abriß eines Kernbereichs von etwa 17 Meter Durchmesser wäre eine erstmals umfassende Medien-Sammlung im Video- und Computertechnikbereich möglich. Der Umbau würde mit knapp 17 Millionen Mark zu Buche schlagen.Etwa doppelt so teuer dürfte die Realisierung von Plan D werden: Kunst und Wohnen im Bunker. Individuelle Maisonetten-Wohnungen könnten eingebaut werden, die - mit Ateliers kombiniert - für Künstler ein lukratives Angebot wären. Weniger exklusiv, aber ebenso interessant ist die Variante, ein Jugendhotel im Bunker einzurichten. Für Schulklassen, Durchreisende und jugendliche Globetrotter könnten so preisgünstige und zugleich zentrale Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden. Auch bei der Misch-Variante Gymnastikhalle im Dachbereich und Bibliothek in den unteren Etagen ist für den notwendigen Umbau des Baudenkmals viel Geld erforderlich.Zuviel, findet der Baustadtrat und derzeitige Verwalter des großen gelben Kolosses. "Bei der Finanzlage Berlins ist jede der vorgeschlagenen Varianten für den Bezirk unmöglich zu realisieren", bedauert Stefke.Ein privater Investor muß also her. Dieser müßte allerdings zuerst eine umfassende Asbestsanierung vornehmen, denn im Bunker wurden eine Menge der Giftfasern gefunden. Ob nun eine Computer-Bibliothek, ein Hotel oder gar ein Fitneß-Center mit Sauna und Squash-Halle oder ein Kulturtempel - alle Varianten haben eines gemeinsam: Sie sind erst einmal teuer. Ob der Bezirk einen zahlungskräftigen und zugleich risikofreudigen Investor findet, liegt wahrscheinlich noch für längere Zeit im dunkeln. So wie die Rundgänge im Fichtebunker. +++