Nach knapp hundert Tagen Amtszeit ist der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit sich und der Arbeit des rot-grünen Senats zufrieden. "Wir machen Tempo, wir zeigen, dass wir anders Politik machen", sagte Wowereit am Donnerstag bei einer ersten Bilanz. Auch Wowereits Stellvertreter, der Bürgermeister und Justizsenator Wolfgang Wieland (Grüne), lobte die Zusammenarbeit: "Das waren hundert gute Tage für Berlin, die Stadt hat wieder Schwung bekommen."Hundert Punkte haben der Regierende Bürgermeister, die vier SPD-Senatoren und die drei Grünen-Senatoren aufgelistet, um ihre Erfolgsbilanz zu belegen. So habe der Senat am vergangenen Dienstag beschlossen, die restlichen 25 Prozent Landesanteile an der Wohnungsbaugesellschaft Gehag zu verkaufen. Dies hatte die CDU in der großen Koalition immer gefordert, war jedoch am Widerstand der SPD-Fraktion gescheitert. "Nun sind wir über den Schatten gesprungen, denn wir brauchen das Geld dringend", sagte Wowereit. 300 Millionen Mark bringe der Verkauf in die Landeskasse, so Wowereit.Als Erfolg bewertete der Regierende Bürgermeister vor allem "die Strukturentscheidungen", die eingeleitet worden seien. So sind sich SPD und Grüne einig, dass noch mehr Personal im öffentlichen Dienst eingespart werden muss, um die Ausgaben um eine Milliarde Mark zu senken. Außerdem wolle man das Gebäude-Management verbessern und mit dem Bund über einen "Berlin-Pakt" verhandeln. Der Kassensturz sei deshalb sehr wichtig gewesen, sagte auch Justizsenator Wieland. Dies sei aber nur auf Druck der Grünen geschehen.Die "Erfolgs-Liste" der rot-grünen Koalition umfasst aber noch eine Menge anderer Punkte: So habe der Senat "gemeinsam mit dem Bund und dem Land Brandenburg die Gespräche über das Privatisierungsverfahren für den künftigen Flughafen Schönefeld fortgesetzt" und mit der Deutschen Bahn "ein Memorandum of Understanding" mit dem Ziel vereinbart, S-Bahn und Berliner Verkehrsbetriebe zusammenzulegen. Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) führt in ihrer Bilanz nicht nur den Kassensturz an, sondern auch die finanzielle Absicherung des Theater des Westens, die Auflösung der Berliner Landesentwicklungsgesellschaft und die Entscheidung, dass Kraftfahrzeuge künftig erst dann zugelassen werden, wenn die Kfz-Steuer für das erste Jahr bereits bezahlt ist. Außerdem werde Berlin "bald über ein modernes Hundesteuergesetz verfügen" und die Hundesteuer nach der Euro-Umstellung leicht sinken.Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) nennt als Erfolge, dass der Senat auf Mieterhöhungen im sozialen Wohnungsbau verzichtet, keine zusätzlichen Müllverbrennungsanlagen gebaut werden und "die Neugestaltung des Pariser Platzes mit Granitpflasterung und Grüninseln" begonnen wurde. Wirtschaftssenatorin Juliane Freifrau von Friesen (parteilos, für die Grünen) ist zufrieden, dass die Wirtschaftsförderung wieder aufgenommen wurde. Damit sei "die Phase der Verunsicherung der Unternehmen" beendet.Mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl am 21. Oktober sind Wowereit und Wieland optimistisch. Es gebe "gute Voraussetzungen" für eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition, sagte der Regierende Bürgermeister. "Das Wahlziel beider Parteien ist es, dass Rot-Grün eine eigene Mehrheit bekommt", sagte Justizsenator Wieland. Die Grünen würden allerdings keine Koalition mit SPD und PDS eingehen, wenn sie nicht gebraucht würden.