Drei Wochen vor der Bundestagswahl haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Peer Steinbrück beim Fernseh-Duell teilweise heftige inhaltliche Kontroversen vor allem zur Sozialpolitik und zur Euro-Rettungspolitik geliefert. Steinbrück warf der Amtsinhaberin in dem 90-minütigen Disput mehrfach vor, sie lulle die Bürger mit leeren Versprechen ein. Merkel sprach ihren Kontrahenten zum ersten Mal seit Wochen mit dem Namen an und warf ihm vor, er schildere die Lage in Deutschland „in den düstersten Farben“. Beide vermieden persönliche Spitzen.

Frühe Stimmungsbarometer im Internet sahen Steinbrück leicht im Vorteil. So waren nach einer Auswertung des Twitterbarometers der Bild-Zeitung um 21 Uhr rund 56 Prozent der Kurznachrichten positiv für den SPD-Kandidaten. Eine Umfrage der ARD zur Halbzeit ergab mit 44 Prozent für Merkel und 43 Prozent für Steinbrück ein Patt. Allerdings kommt es für die SPD im Wahlkampf vor allem darauf an, die unentschiedenen Wähler noch zu mobilisieren. Bei dieser Gruppe lag der SPD-Herausforderer mit 45 zu 37 Prozent vorne.

Das Fernsehduell war das einzige direkte Aufeinandertreffen der CDU-Kanzlerin und ihres SPD-Herausforderers in diesem Wahlkampf. Es wurde zeitgleich von den TV-Sendern ARD, ZDF, RTL und Pro Sieben übertragen. Der Schlagabtausch vor einem Millionenpublikum gilt bei Experten als wichtigstes Aufeinandertreffen vor der Bundestagswahl am 22. September.

Im Mittelpunkt des streng reglementierten Duells standen die Sozialpolitik, die Euro-Rettung und die Syrien-Krise. Steinbrück warf Merkel eingangs vor, sie habe mit ihrer schwarz-gelben Koalition Deutschland vier Jahre lang nur im Kreis geführt. Merkel verwies auf die guten Wirtschaftsdaten und konterte: „Wir haben gezeigt, dass wir es können – und das in schwieriger Zeit.“

Scharfe Kritik äußerte Steinbrück an den von der Union angestrebten Lohnuntergrenzen. Sie würden zu einem Flickenteppich am Arbeitsmarkt führen. Viele Menschen, die einen Tariflohn unter 8,50 Euro erhielten, wären die Gelackmeierten. Deswegen setze sich die SPD für einen gesetzlichen Mindestlohn ein. Merkel argumentierte, die Lohnfindung sei Aufgabe der Tarifparteien. Mit dem Argument: „Wir dürfen nichts tun, was Arbeitsplätze gefährdet“, sprach sie sich auch gegen Steuererhöhungen aus.

Merkel verteidigte die Ankündigung eines dritten Griechenland-Hilfspakets. Dies sei immer absehbar gewesen. Allerdings könne man derzeit keine Aussagen zur Größenordnung machen. Steinbrück warf der Bundesregierung vor, sie verschleiere die Realität der Krise und verfolge die falsche Politik: „Man kann den Griechen nicht immer nur die Konsolidierungskeule über den Kopf ziehen.“

Beide Spitzenkandidaten erklärten, Deutschland werde sich nicht an einem Militärschlag gegen Syrien beteiligen. Auf Nachfrage von Steinbrück erklärte Merkel, mit ihr werde es keine Pkw-Maut geben.

Die Redeschlacht könnte den bislang müden Wahlkampf endlich beleben. Vor allem für Steinbrück, der in den Umfragen weit zurückliegt, war ein überzeugender Auftritt wichtig. Der SPD-Kandidat zeigte sich über weite Strecken kämpferisch, ohne raubeinig oder scharf zu werden. Er beteuerte erneut, dass er für eine große Koalition nicht zur Verfügung stehe. Merkel präsentierte sich staatsmännisch und erklärte, sie strebe erneut ein Bündnis mit der FDP an.