Foto: Am 23. Oktober 1989 gibt es in der Kirchengemeinde am Fennpfuhl in Berlin-Lichtenberg eine erste gemeinsame Pressekonferenz fast aller oppositionellen Gruppen: Bürgerrechtler geben die dokumentierten Übergriffe der Sicherheitskräfte in Berlin am 7. und 8. Oktober der internationalen Presse bekannt. Die Dokumentation umfasst mehr als 150 Gedächtnisprotokolle von festgenommenen und misshandelten Demonstranten und Unbeteiligten: "Menschen wurden wahllos herausgegriffen, ... über die Straße geschleift und mit Schlagstöcken verprügelt. ... Ich sah, wie ein älterer Mann an den Haaren gepackt und immer wieder mit dem Gesicht auf die Straße geschlagen wurde von drei Uniformierten", schreibt eine junge Frau, Mutter zweier Kinder, die verhaftet wurde. Ein Tonbandmitschnitt aus der SED-Volkskammerfraktion belegt, wie Politbüromitglied Günter Schabowski den Genossen berichtet, dass auch Konsistorialpräsident Manfred Stolpe gegen den Presseauftritt sei. Verhindert werden kann er nicht. Anfang November wird im Roten Rathaus eine Untersuchungskommission wegen der Übergriffe eingesetzt.