Sie haben ihre Bademäntel aufgerissen. Lina, Anne und Elena zeigen der Kamera ihre nackten Oberkörper. Sie lachen und schreien, flirten mit der Kamera. Drei Brüste haben sie, jede von ihnen eine. "Das beantwortet doch eindeutig die Frage, ob eine Frau zwei Brüste braucht, um schön zu sein", sagt Uta Melle. Sie hat das ungewöhnliche Fotoprojekt und die Ausstellung auf die Beine gestellt. Die Fotos waren in Hamburg zu sehen, jetzt sind sie im Stilwerk Berlin.Es geht um Vorstellungen von Schönheit, um Mut und um Lebensfreude. Uta Melle und 18 andere Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, haben sich dafür vor die Kamera gewagt. Zwei Tage lang haben die Hamburger Fotografin Esther Haase und die Berliner Fotografin Jackie Hardt die Frauen in Berlin fotografiert. Einzeln und in der Gruppe, nackt und im Porträt. Als kampfbereite Amazonen zeigen sie sich, sie tanzen selbstvergessen, sie räkeln sich lasziv auf Sofas und posieren zusammen mit hohen Stiefeln "Das Schönste war zu spüren, wie viel Spaß das Shooting uns allen gemacht hat", sagt Uta Melle, "und ich glaube, dass sich auch einige selber ein Stück weit neu entdeckt haben." 57 000 Frauen erkranken jedes Jahr neu an Brustkrebs. "Wir sind ein richtiges Amazonenvolk", sagt Uta Melle, "wir sind zu viele, als dass man immer nur wegsehen und verdrängen könnte." Zwei lange rötliche Narben laufen über den Oberkörper der 41-jährigen Berlinerin. Sie hat ihre abgenommenen Brüste nicht wieder aufbauen lassen.Der Bildband und die Ausstellung waren nur möglich, weil Esther Haase, Jackie Hardt und viele andere auf ihr Honorar verzichtet haben, da sich kein Sponsor finden ließ. "Bei Krebs geht es um Berührungsängste, und man ist auch schnell mit eigenen Ängsten konfrontiert", sagt Uta Melle, "aber wir betroffenen Frauen leben ja auch mit der Krankheit." Mit der Ausstellung möchte sie anderen helfen hinzuschauen und Ängste abbauen.-----------------------Amazonen: 19.8. bis 1.9. im Stilwerk, Kantstraße 17, Mo-Sa 10 bis 19 Uhr.------------------------------Foto: Initiatorin Uta Melle.