Wir springen da mal jetzt drauf an, es ist ja für einen guten Zweck: Der Theaterdiscounter hat mit seiner ziemlich eigenen Öffentlichkeitsarbeit schon gute Erfahrungen gemacht. Zumindest überlebte er ein paar Jahre in der rauen Berliner Off-Theaterszene, und es sieht so aus, dass er sogar ohne Spielstätte weiterexistieren wird - er hat im Ballhaus Ost eine Zwischenresidenz gefunden. Das ist für eine Einrichtung, die ihrem Namen nach Billigtheater anbietet, doch ziemlich erstaunlich.Zwar müssen Kunden, die nicht genug Geld haben, vielleicht bei Lebensmittel- oder Sargdiscountern mindere Qualität für einen kleineren Preis in Kauf nehmen. Nur ist es so, dass eine gewisse Notwendigkeit darin besteht, Lebensmittel zu sich und Bestattungsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Solche Notwendigkeit aber widerspricht dem Theater als solches. Es ist so oder so überflüssig. Wer also Geld für eine Theaterkarte hat, wird es sicher nicht für Billigtheater ausgeben. Der Theaterdiscounter hätte also seine erste Premiere gar nicht überleben dürfen. Andererseits ist es naiv, davon auszugehen, dass irgendjemand eine Werbebotschaft wörtlich nimmt. Selbstverständlich begreift man die Ironie sofort, und ohne dass man sich dagegen wehren könnte, ist die Neugier geweckt.Bei dem neuen Theaterdiscounter-Projekt sind wir uns nun allerdings nicht ganz so sicher, ob es wieder funktioniert. Zwar liefern wir, indem wir hier Bericht erstatten, den Beweis, dass es den Theaterleuten gelungen ist, sich ins Gespräch zu bringen. Aber ob das in diesem Fall wirklich von Vorteil ist? Wie auch immer, lesen Sie selbst: "Einer der langweiligsten Romane der Weltliteratur wird zum ersten Mal auf die Bühne gebracht. Adalbert Stifters ,Nachsommer' für das Theater zu adaptieren, kann man guten Gewissens als waghalsiges Unternehmen bezeichnen: Hölzerne Dialoge, detailfixierte Beschreibungswut, das komplette Fehlen von Spannung - das rief seit jeher Kopfschütteln bei Lesern und Kritikern hervor." Klingt spannend. Premiere ist am 5. Oktober.