Bis 1941 war der Bahnhof lichtdurchflutet / Zwei Durchbrüche werden wieder freigelegt: Freier Blick für U-Bahn-Fahrgäste: Station Spittelmarkt erhält Fenster zum Spreekanal

Fast 33 Jahre hatten die Fahrgäste auf dem U-Bahnhof Spittelmarkt beste Aussichten auf den angrenzenden Spreekanal und die Fischerinsel. Dann wurden die Fenster in der nördlichen Bahnhofswand vermauert. Nun lassen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) prüfen, ob diese wieder geöffnet werden können. Probehalber legten sie eine der 45 Fensteröffnungen frei, eine weitere soll folgen. Die Schächte werden mit Plexiglas vor Wind und Wetter geschützt. "Wir testen, wie sich die Durchbrüche auswirken", sagte BVG-Sprecherin Carmen Kirstein gestern. Ein Bau-Gutachter prüft ebenfalls. Kommende Woche will das Unternehmen entscheiden, ob alle Fenster auf dem U-Bahnhof wieder aufgemeißelt werden. "Wieviel das Ganze kostet, muß noch ermittelt werden", sagt Carmen Kirstein. Stellt die BVG die Signale auf Grün, könnte die Station der U-Bahn-Linie 2 im Bezirk Mitte ihren alten Charme zurückgewinnen. Pläne, die Fenster am Spittelmarkt wiederherzustellen, gibt es schon seit geraumer Zeit."Lichtdurchflutet war dieser Bahnhof als er am 1. Oktober 1908 eröffnet wurde", berichtet der Berliner Verkehrshistoriker Jürgen Meyer-Kronthaler. Mit einer Fenstergalerie, wie sie zwei Jahre später auch im heutigen U-Bahnhof Rathaus Schöneberg entstand, wollten die U-Bahn-Bauer das neue Verkehrsmittel den Berlinern bekannt und schmackhaft machen. Im Untergrund durch die Stadt zu reisen, war den meisten von ihnen noch völlig ungewohnt. Die von Alfred Grenander entworfene Station Spittelmarkt war der Endpunkt der ersten Berliner Innenstadt-U-Bahn, die vom Leipziger Platz bis hierhin vorangetrieben worden war. 1913 wurde sie vom Spittelmarkt zum Alexanderplatz weitergeführt. Doch 1941 war es mit dem Ausblick auf Spreekanal und Fischerinsel vorbei. Die Fenstergalerie, die sich über die gesamte Nordseite der rund 110 Meter langen Station zog, wurde vollständig zugemauert aus Sicherheitsgründen, wie Jürgen Meyer-Kronthaler berichtet. Die Fahrgäste sollten vor Bomben geschützt werden. Noch heute sind die Umrisse der drei Meter tiefen Fensterschächte in der Kaimauer an der Wallstraße gut zu erkennen zum Beispiel von der benachbarten Gertraudenbrücke aus.