Extra von Tegel ist Thomas Hormuth (22) gekommen. Der Bürokaufmann hat sich mit Mario F. (21) aus Lichtenberg und der 19-jährigen Marzahnerin Sandra Kolbe zum Kinoabend verabredet. Dass die drei kein Multiplex, sondern das 600-Plätze-Kino "Sojus" am Helene-Weigel-Platz gewählt haben, hat vor allem einen Grund: "So billig wie hier ist es nirgendwo in Berlin", sagt Hormuth. Denn eine Karte kostet im "Sojus" ganze 2,50 Mark - unabhängig zu welcher Vorstellung.Das "Sojus" ist das erste und bisher einzige "One-Dollar-Kino" der Hauptstadt. Seit dem 2. September vergangenen Jahres betreibt das Hamburger Unternehmen Kino! Kino! Entertainment GmbH (KKE) das Lichtspieltheater mit einem neuem Konzept. Gezeigt werden im wöchentlichen Wechsel Filme der so genannten zweiten Welle - Streifen, deren Premiere etwa vier Monate zurückliegt. Täglich gibt es drei Vorstellungen, freitags und sonnabends vier.Die KKE hatte das 1981 eröffnete "Sojus" von der Ufa übernommen. Mitte der 90er-Jahre hatte diese das Haus renoviert und von einem Raum auf drei Säle erweitert. Doch Ende Juli 1999 schloss die Ufa das "Sojus", nachdem mit der Eröffnung zweier Multiplexe in Marzahn und Hellersdorf die Besucher wegblieben. KKE übernahm mit dem Haus auch die Technik, unter anderem die Dolby-Surround-Tonanlage und die tschechischen Projektoren. Fimvorführer Heiko Balschuweit: "Wir können die Filme in bester Qualität zeigen.""Wir sind überaus zufrieden mit dem Standort", sagt KKE-Geschäftsführer Wolfgang Kirchner. Besucherzahlen will er nicht nennen - Firmengeheimnis. Theaterleiterin Manuela Schott: "Insbesondere an den Wochenenden, vor allem abends, ist es voll. Da sind schnell Vorstellungen ausverkauft." Auch in der Ferienzeit strömten Kinofans ins "Sojus", oft Familien mit Kindern. "Unsere günstigen Preise locken aber vor allem Jugendliche an", sagt die 28-Jährige. Die Gäste kommen vor allem aus der Umgebung, manche aber auch von weiter. "Zu unserem Stammpublikum gehört beispielsweise eine Frau mit drei Kindern aus Wedding", sagt Manuela Schott. "Die sehen sich oft sogar zwei Filme hintereinander an." Gefragt seien bei den jungen Kinogängern vor allem "Action und Komödien", bei den älteren auch anspruchsvollere Streifen, sagt die Theaterleiterin. "Der absolute Renner war ,Sonnenallee ." Der läuft inzwischen zum dritten Mal, am Freitagabend war bereits eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn keine Karte mehr zu haben.Die KKE betreibt bisher acht 2,50-Mark-Kinos in Deutschland - in der Regel Häuser, die vorher im Konkurrenzkampf dichtgemacht wurden. In Berlin wolle das Unternehmen seine Präsenz verstärken, sagt Kirchner. Verhandelt werde über mehrere Standorte, Namen könne er auf Grund der laufenden Gespräche nicht nennen. Er hoffe aber "noch in diesem Jahr auf mindestens eine Neueröffnung".BERLINER ZEITUNG/WULF OLM Mit dem Slogan "Maxi Kino - Mini Preis" wirbt die Hamburger Firma KKE für ihre acht Lichtspieltheater.