Dass es nicht gut ist, viel Kaffee zu trinken, merken die meisten Menschen nach übermäßigem Konsum des Getränks: Sie werden nervös, fühlen sich "flattrig", viele klagen über Magenschmerzen. Das Koffein und die in den Bohnen enthaltenen Gerbsäuren sind an diesen Symptomen schuld. Das schwarze Gebräu hat aber noch mehr Nebenwirkungen - und zwar solche, die nicht gleich spürbar sind. Es steigert den Gehalt von zwei Substanzen im Blut, die das Herzinfarktrisiko erhöhen: Cholesterin und Homocystein. Homocystein ist ein Eiweißbaustein, der vermutlich die Innenwand der Blutgefäße schädigt. Ist auf Dauer viel davon im Blut vorhanden, dann drohen die Arterien zu verkalken.Bisher wurde vor allem vor ungefiltertem Kaffee gewarnt - also solchem, der auf türkische Art aufgebrüht wird oder in französischen Pressfilterkannen. Eine norwegische Studie zeigt nun, dass auch Filterkaffee sich ungünstig auf die Blutwerte auswirkt.Welche Substanzen im Kaffee schädlich fürs Herz sind ist noch nicht vollständig geklärt. Bislang hat man nur eine Gruppe von Stoffen gefunden, die den Cholesterinspiegel erhöhen, die so genannten Diterpene. Dabei handelt es sich um Bestandteile im Kaffeeöl, die in besonders hohen Mengen in ungefiltertem Kaffee vorkommen. Eine niederländische Studie zeigte beispielsweise im vergangenen Jahr, dass der tägliche Konsum von einem Liter ungefilterten Kaffees die Homocysteinwerte um zehn Prozent erhöht und auch die Cholesterinwerte ansteigen lässt. Auf Grund dieser Erkenntnisse empfehlen Ernährungsmediziner daher bisher, bei erhöhtem Herzinfarktrisiko auf gekocht zubereiteten Kaffee zu verzichten und statt dessen Filterkaffee zu trinken.Wie sich jetzt zeigt, reicht diese Einschränkung offenbar nicht aus. Im Fachmagazin "American Journal of Clinical Nutrition" berichten norwegische Wissenschaftler, dass auch Filterkaffee die Blutfettwerte und den Homocysteinspiegel negativ beeinflusst. Das Team um Benedicte Christensen und Dag Thelle vom Ullevål University Hospital in Oslo untersuchte, wie sich unterschiedlich hoher Kaffeekonsum oder gar der Verzicht auf das Getränk auf die Blutwerte auswirkt.Die Mediziner stellten fest, dass der Verzicht auf Filterkaffee die Cholesterin- und Homocysteinwerte senkt. Bei Versuchspersonen, die normalerweise durchschnittlich vier Tassen Filterkaffee am Tag tranken und die für die Studie dann sechs Wochen lang ganz und gar darauf verzichteten, sanken die Homocysteinwerte um 10 Prozent und die Cholesterinwerte um 5 Prozent."Der Einfluss auf den Homocysteinspiegel war ähnlich stark wie in der Studie mit ungefiltertem Kaffee. Es scheinen also Substanzen daran beteiligt zu sein, die durch das Filtern nicht entfernt werden", sagt Benedicte Christensen. Überrascht war das Team, wie stark sich die Filterkaffeeabstinenz auch auf den Cholesterinspiegel auswirkte. "Bisherige Studien ließen keinen derart deutlichen Effekt vermuten", sagt die Medizinerin. Sie nimmt an, dass die Cholesterin-erhöhenden Diterpene im Filterkaffee doch in größerer Menge enthalten sind als bisher angenommen wurde.Auch wenn die Forscher noch über die schädlichen Substanzen im Kaffee rätseln - fest steht, dass es sich lohnt, den Kaffeekonsum einzuschränken. Das norwegische Forscherteam hat nämlich berechnet, dass das Risiko für Herzinfarkt und ähnliche Leiden deutlich sinkt, wenn man auf Kaffee verzichtet. Wer bisher täglich vier Tassen am Tag getrunken hat und damit aufhört, der reduziert das dem Homocystein zugeschriebene Herzinfarktrisiko um 10 Prozent und das dem Cholesterin zugeschriebene um 15 Prozent, schreiben die Forscher.Auf Grund dieser Ergebnisse muss Kaffee aber nicht für alle tabu werden. "Nur wer erhöhte Cholesterin- und Homocysteinwerte hat und dazu noch viel Kaffee trinkt, der sollte den Kaffeekonsum unbedingt einschränken", empfiehlt Benedicte Christensen. Alle anderen, findet die Forscherin, müssen selber wissen, welches Risiko sie eingehen wollen. "Das ist wie mit dem Rauchen - das erhöht ja auch das Herzinfarktrisiko und viele lassen es trotzdem nicht sein. " Die Studie zeigte, dass bis zu drei Tassen am Tag offenbar unbedenklich sind. Wer mehr Kaffee trinkt, der kann das Laster zumindest mit ansonsten gesunder Ernährung ausgleichen, sagt der Fettstoffwechselexperte Eberhard Windeler von der Universität Hamburg. Er rät, reichlich Gemüse und Obst zu essen. Das wirke sich günstig auf den Cholesterinspiegel aus. Und das in Blattgemüse enthaltene Vitamin Folsäure senke den Homocysteinspiegel.American Journal of Clinical Nutrition, Bd. 74, S. 302BERLINER ZEITUNG/KARL-HEINZ DÖRING, QUELLE: DEUTSCHER KAFFEE VERBAND KAFFEEVERBRAUCH. Nach der letzten Statistik aus dem Jahr 1999 sind die nordischen Länder weltweit Spitzenreiter im Kaffeeverbrauch. Die Finnen verbrauchen 11,8 Kilogramm Kaffee pro Kopf und Jahr. Deutschland liegt mit 6,7 Kilogramm pro Kopf im Mittelfeld. Wenig Kaffee wird in Großbritannien getrunken.

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