Im Konflikt um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist kein rasches Ende in Sicht. Der Sondergesandte des Papstes, Kardinal Giovanni Lajolo, beendet am Sonntag seine einwöchige Mission zur Klärung der Querelen zwischen Tebartz und seinen Kritikern und kehrt nach Rom zurück. Eine Abschlusserklärung ist offenbar nicht vorgesehen. Auch der Bischof selbst werde sich nicht äußern.

Wie die Berliner Zeitung erfuhr, traf sich Lajolo in den vergangenen Tagen mit etwa zwei Dutzend Kirchenvertretern, unter ihnen das gesamte Domkapitel, nicht aber die Laien mit Spitzenämtern in der Bistumsverwaltung. In den vertraulichen Gesprächen seien dem Kardinal die Bedenken gegen Tebartz' herrischen Führungsstil und sein undurchsichtiges Finanzgebaren deutlich vorgetragen worden. Zwar habe Lajolo erkennen lassen, dass er als Friedensstifter nach Limburg gekommen sei. Dennoch müsste ihm die Unmöglichkeit eines bloßen „Weiter so“ deutlich geworden sein, hieß es.

Mit einer solchen Option dürften sich die Opponenten des Bischofs auch nicht zufrieden geben. Es gehe dabei, so ein Bistumsinsider, auch um die Glaubwürdigkeit von Papst Franziskus. Nach dessen rigorosem Einschreiten bei der Vatikanbank könne der Papst die Dinge in Limburg nicht einfach laufen lassen. Schließlich gehe es hier um bis zu zweistellige Millionenbeträge ungeklärter Herkunft und Verwendung.

„Gerade wenn der Bischof bleiben sollte, gibt es Änderungsbedarf“, sagte ein führender Mitarbeiter, der Tebartz durchaus wohlgesonnen ist. Gleichzeitig wurden Zweifel laut, dass der 53-Jährige zu einem Kurswechsel überhaupt fähig ist. Wie aus seiner Umgebung verlautete, sieht er weiterhin keinen Anlass zur Selbstkritik oder zu einem Zugehen auf seine Kontrahenten. Vielmehr fühle er sich als Opfer einer Kampagne der Medien, die sich mit seinen Gegnern verschworen hätten, namentlich mit dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz. Tebartz lege eine „erschreckende Uneinsichtigkeit“ an den Tag und suche „die Schuld immer nur bei den anderen“, so ein Kirchenmann aus dem Umkreis des Bischofs. „Dass es so schlimm mit ihm steht, hätte ich nicht gedacht.“

Innerkirchlicher Druck wächst

Noch während Lajolos Aufenthalt im Bistum wuchs der innerkirchliche Druck auf Tebartz. Mit den Kardinälen Karl Lehmann (Mainz) und Reinhard Marx (München) gingen zwei der höchsten deutschen Kirchenführer auf Distanz. Ein weiterer Bischof sprach von einem „Alptraum“, der bald ein Ende nehmen müsse, auch wenn es ein mutmaßlich böses Erwachen geben werde. Selbst der Kölner Kardinal Joachim Meisner, der als einer der wenigen verbliebenen Parteigänger Tebartz' gilt, räumte ein, dass die deutsche Kirche „mit ihrem Latein am Ende“ sei.

Selbst der sonst betont zurückhaltende Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff nannte es schwierig, dass Tebartz dem Ruf nach Aufklärung bisher nicht entsprochen habe. Hingegen sicherte der Regensburger Oberhirte Rudolf Voderholzer seinem Limburger Mitbruder volle Solidarität zu – ein Votum, dem sich die Gruppe der amtierenden Bischöfe vor zwei Wochen noch ausdrücklich entzogen hatte.