Letztlich ist "Die Jugendberaterin" nichts, aber auch gar nichts Anderes als die ProSieben-Version der Sat-1-Show "Zwei bei Kallwass". Doch was besagt das schon? Die tägliche Beratungssendung mit Angelika Kallwass läuft seit über einem Jahr auf Sat 1. Und sie läuft gut. Und wenn nun seit Montag vergangener Woche ProSieben mit Margit Tetz nachzieht, heißt das zunächst nur, dass wieder eine Stunde Nachmittagsprogramm gefüllt wird, indem sich fünfmal pro Woche dreimal zwei Laiendarsteller an Stehpulten in einem Fernseh-Studio mit vorab einstudierten Problemen herumquälen, während im Hintergrund ein spärliches Publikum sitzt, das nicht klatscht, nicht lacht und auch sonst nicht so genau zu wissen scheint, warum es überhaupt da ist. Und vorn, vor den rat- und ausdruckslosen Allerweltsgesichtern, steht nun eben nicht die 53-jährige Psychotherapeutin Kallwass, sondern die vier Jahre jüngere Sozialpädagogin Tetz. Gewiss, Frau Tetz hat eine andere Frisur als ihre Kollegin von Sat 1 und auch einen anderen Kleidergeschmack, die Kulissen sind in einem anderen Pastellton gestrichen - und als technische Neuerung hat ProSieben einen TV-Monitor im Studio platziert, auf dem man die Beraterin selbst dann sehen kann, wenn die Kamera eigentlich auf die Aushilfsschauspieler schaut.Doch auch wenn die Sendung das Wörtchen "Jugend" im Titel trägt, widmet sich "Die Jugendberaterin" wie ihr Sat-1-Vorbild eigentlich der klassischen Familien- und Paarberatung. Und wie ihre Sat-1-Kollegin macht die Jugendberaterin Tetz ihre Sache gut: Einfühlend, aber resolut, ja, auffällig kompetent und eben auf dem halbwegs fortschrittlichen Niveau des "Dr. Sommer-Teams" aus der guten, alten "Bravo" kümmert sie sich um das unspektakuläre Alltagsgenerve, das wir alle kennen und allzu oft nicht wahrhaben wollen.Inszenierte ProblemeUnd weil mit der Pubertät eben nicht auch deren Probleme aufhören, werden die bekannten Grundregeln des Zusammenseins (1. Auch Teenager haben ein Recht auf Privatsphäre! 2. In Paarbeziehungen sollte man möglichst ehrlich zueinander sein, öfter miteinander kommunizieren, auch mal zuhören können und sich bitte schön nicht so gehen lassen. 3. Grundsätzlich sind "Schmuddelhefte" unter dem Kopfkissen nun wirklich kein Weltuntergang und vorgespielte Orgasmen keine Lösung! Ach ja, und 4. verursacht Selbstbefriedigung ganz bestimmt keinen Rückenmarkschwund!) anhand aller erdenklichen Wechselfälle des Lebens durchdekliniert. Wahrscheinlich ist das sogar okay so. Oder notwendig.Die Souveränität und Glaubwürdigkeit, mit der sich die TV-Jugendberaterin Tetz zu helfen versucht, führt sie allerdings immer wieder an die Grenzen des Formats: Was nutzen all die klugen Ratschläge, wenn den Komparsen, denen sie gelten, anzusehen ist, dass diese doch letztlich gar nicht unter den vorgebrachten Unzulänglichkeiten leiden, sondern bestenfalls unter Lampenfieber?Mo-Fr, 15 Uhr, ProSieben

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