Blankenfeldes Amtsdirektor will sich eine Concorde in den Ort stellen - er konkurriert mit Washington und New York: Höhenflüge

BLANKENFELDE. Es ist keine Schnapsidee - der Amtsdirektor von Blankenfelde-Mahlow, Ortwin Baier, will eine Concorde nach Blankenfelde (Teltow-Fläming) holen und in dem 62 Meter langen Überschall-Flieger das örtliche Standesamt einrichten. Und dafür suchte er sich prominente Unterstützer - etwa Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) oder die SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein. Vor kurzem brachte der Sozialdemokrat Baier den Concorde-Vorschlag in den Hauptausschuss ein. "Ich habe gehört, dass Air France und British Airways die Flüge mit dem Überschall-Flugzeug einstellen und die Maschinen für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro abgeben", sagte Baier den Kommunalpolitikern. Da wäre es doch toll, wenn so ein Vogel auch in Blankenfelde stehen würde. In den ausrangierten Flieger könne das Standesamt ziehen. Das wäre für den Ort eine Attraktion. "Bisher können sich die Paare nur in einem Zimmer in der Amtsverwaltung trauen lassen. Nichts Besonderes also", erläutert der 44-jährige Baier. Der Hauptausschuss habe die Concorde-Idee positiv aufgenommen. Auch der Standort ist schon ausgewählt - ein altes Kasernengelände.Brief an British AirwaysDie französische Air France, so erfuhr Baier, hatte alle ihre fünf Maschinen nach dem letzten Flug Ende Mai schon in den Ruhestand und damit weltweit an Museen geschickt. Eine davon kam nach Deutschland, ins Auto & Technik Museum Sinsheim (Baden-Württemberg). Blieb also nur noch die British Airways, die ihre Flüge mit ihren sieben Concordes erst im Oktober einstellt. "Wir haben an British Airways geschrieben und gebeten, uns eines der Flugzeuge zu überlassen", sagt Baier. Er rechnete sich gute Chancen aus. War Blankenfelde doch der einzige Bewerber aus den neuen Bundesländern.Dass Blankenfelde zu den ärgsten Gegner des geplanten Großflughafens in Schönefeld gehört, damit hat der Amtsdirektor kein Problem. "Wir drehen doch mit so einer Concorde im Ort nicht unsere Auffassung zum Großflughafen um", sagt er. Und auch das Argument, die Überführung käme zu teuer - in Sinsheim kostete das Unterfangen 1,5 Millionen Euro -, wischt Baier vom Tisch. Er machte den Briten einen kostengünstigen Vorschlag. "A transfer of the airplane could take place at the closely located airport Berlin-Schönefeld", schrieb Baier. Das heißt: Der Transport der Maschine könnte über den nahe gelegenen Flughafen Schönefeld stattfinden. "Der letzte Flug unserer künftigen Concorde könnte Heathrow-Schönefeld heißen", meint Baier. Schönefeld sei nur fünf Kilometer entfernt. "Wir könnten die Concorde mit einem Trecker zu uns ziehen", so Baier. Die Kosten von Sinsheim entfielen. Die für das dortige Museum bestimmte Maschine musste wegen ihrer Größe auseinander gebaut und mit einem Schwerlaster transportiert werden.Sieben Tage später kam die Antwort aus England. Sorry, stand da. Das Interesse an den Concordes sei riesig. British Airways habe 60 Anfragen aus aller Welt erhalten. Für die sieben Maschinen habe man 16 Interessenten auf eine Favoriten-Liste gesetzt - darunter Einrichtungen wie das Wissenschaftsmuseum London, oder Institutionen in Washington oder New York. Blankenfelde sei nicht dabei. Der Ort hatte sich zu spät gemeldet.Das glaubt auch Heiko Jahn, Mitarbeiter der SPD-Bundestagsabgeordneten Andrea Wicklein. "Wir haben uns bei British Airways für Blankenfelde stark gemacht", sagt er. In der vorigen Woche sei aber der ablehnende Bescheid aus England eingetroffen. "Sie haben mitgeteilt, dass es sehr viele Nachfragen gegeben habe", so Jahn. Und man könne für den Ort nicht einfach einen Interessenten von der Liste streichen. "Herr Baier hätte sich früher an uns wenden sollen, da hätten wir eine richtige Kampagne für Blankenfelde fahren können", sagt Jahn. Jetzt warten er und Amtsdirektor Baier auf eine Reaktion aus dem Bundesverkehrsministerium. "Wir haben Minister Stolpe gebeten, sich ebenfalls an British Airways zu wenden", sagt Jahn. Aus Stolpes Büro war am Freitag nicht zu erfahren, ob er dies getan hat. "Ich glaube schon, dass er unserer Bitte entsprochen hat", so Jahn.Amtsdirektor Baier will die Concorde-Idee noch nicht aufgeben. "Warum sollen nicht auch 17 Interessenten auf der Liste stehen?", fragt er. Sollte das mit dem Überschall-Flieger dennoch nicht klappen, hat Baier schon eine neue Idee fürs Standesamt. "Dann frage ich beim insolventen Cargolifter gleich nebenan nach, ob die uns nicht ein Luftschiff vermachen können.""Der letzte Flug unserer künftigen Concorde könnte Heathrow-Schönefeld heißen. " Ortwin Baier, Amtsdirektor.AP/DANIEL MAURER Von solch einer Concorde, wie sie hier in Sinsheim aufgestellt wird, träumt Amtsdirektor Baier. Das Museum im baden-württembergischen Sinsheim hatte Glück und erhielt den Zuschlag für einen der ausrangierten Überschall-Flieger der Air France. Mitte Juli kam das Flugzeug auf dem Museums-Gelände an.