Paris - Abends um sieben ist die Welt noch in Ordnung, ja sie könnte schöner kaum sein. Mächtige Platanen säumen die Ufer des Canal Saint-Martin. Auf grüngrauem Wasser spiegeln sich Brückenbögen und Bürgerhäuser mit Stuckgirlanden und schmiedeeisernen Balkongittern. Einen Skizzenblock auf den Knien, versucht eine Kunststudentin festzuhalten, was schwer zu greifen ist: das Flair dieses Pariser Viertels, das durch Filme wie „Hôtel du Nord“ und „Die fabelhafte Welt der Amélie“ zu Weltruhm gelangt ist. „Hier zu wohnen, wäre ein Traum“, sagt die Zeichnerin.

Eine Wohnung am Kanal kann sich kaum jemand leisten. Die Immobilienagentur L’Adresse du Canal empfiehlt ein 39-Quadratmeter-Apartment für 1,2 Millionen Euro. „Ideal für ein junges Paar“, steht daneben. Aber wenigstens die Ufer des Kanals, sie sind für alle da. Liebende lassen sich am Wasser nieder. Abiturienten feiern dort das Ende der Schulzeit, ziehen Bierflaschen aus Rucksäcken, reißen Chips-Tüten auf. Familienväter schleppen Liegestühle herbei. Obdachlose breiten Pappkartons aus. Flamenco-Klänge und das Pochen einer Bongo-Trommel dringen ans Ohr. Als längste Pariser Picknickmeile gilt der einst von Napoleon in Auftrag gegebene Wasserweg.

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