Blinkender Dadaismus

Das Internet ist mitunter ein seltsamer Planet. Hier tummeln sich Wesen, von denen man nicht einmal in den wildesten Momenten zu träumen gewagt hätte. Eines dieser kultverdächtigen Geschöpfe hört auf den Namen Karl Fritsch. Im richtigen Leben ist er Verkäufer für Elektroartikel in München und führt ein augenscheinlich wenig aufregendes Leben.In den unendlichen Weiten des World Wide Web aber mutiert er zum Lordsiegelbewahrer des digitalen Dadaismus. Schrille Farben, überall blinkt, zuckt und flackert es, kein Element ist zu schal, um es nicht mit knalligen Effekten aufzupeppen. Doch nicht nur die Augen werden dem vielleicht größten Schock der Moderne ausgesetzt. Obendrein attackiert der Multimedia-Derwisch die Gehörgänge mit quengelnden Versionen abgehangener Pophits. Der geballte Budenzauber hat System, denn eigentlich hat Karl Fritsch der Welt nichts mitzuteilen.Doch genau das tut der blasse Schlaks aus dem bayerischen Taufkirchen mit einem derartigen Ideenreichtum, dass es manche Besucher bereits zu den wagemutigsten Vergleichen drängte. Im Gästebuch wimmelt es von Lobpreisungen, obendrein hagelte es bereits unzählige Auszeichnungen von Web-Juroren. Weil es die Mischung macht, finden sich im umfassenden Angebot nicht nur jede Menge animierter Bilder und Schriften, die selbst einen Blinden sehend machen, sondern auch reichlich Text. Besonders gelungen ist die Zusammenstellung seiner kommentierten Medienauftritte, etwa der 14-tägigen Präsenz einer Kontaktanzeige im Videotext des britischen Fernsehsenders Super Channel.Unübertroffen aber ist der Reisebericht über eine Tour, die Karl und seinen Freund Andreas nach Frankreich, England und Irland führte. Höhepunkt der an Glanzlichtern wahrlich nicht armen Schilderung ist der Besuch auf dem Eiffelturm: "Wir blieben auch einige Zeit oben schließlich eilte es uns nicht, da wir nicht auf Termine gebunden sind. Mit Ausnahme den Fähren und das gerade war das Praktische an unserem Urlaub, wenn uns etwas besonders interessiert hat, waren wir bei einem Standort länger oder kürzer da. Das war auch der Punkt wie wir die Reise geplant haben. " Diese scheint, glaubt man den langen Bilderstrecken, vorrangig dem Fotografieren des eigenen Wagens auf Park- und Campingplätzen gewidmet gewesen zu sein. Doch selbst das man will es kaum glauben hat grandiosen Unterhaltungswert. Tristesse herrscht allerdings in Karls Kontaktbörse. Hier sucht weder sie ihn noch er sie. Für Karl Fritsch dennoch kein Grund zur Resignation: "Ich bin ein Mensch der sich in jede Situation einstellt. "Adresse: http://home.t-online.de/home/karl.fritsch