Die Wirtschaft warnt vor Fachkräftemangel und fordert mehr Zuwanderung. Die CSU artikuliert Befürchtungen, es könne zu massenhafter Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme kommen. Gewerkschaften glauben, Arbeitgeber wollten mit dem Zuzug aus Niedriglohnländern vor allem Druck aufs hiesige Lohnniveau ausüben. Die Linke sieht in den geltenden Zuwanderungsregeln eine Art Qualifikations-Rassismus: Rein darf, wen wir brauchen können, der Rest muss draußenbleiben.

An alledem ist etwas Wahres, aber eben nur etwas. Zweierlei scheint unbestreitbar: Ohne Menschen, die zu uns kommen, um dauerhaft hier zu leben und zu arbeiten, wird der Wohlstand in Deutschland massiv schrumpfen und die Gesellschaft kulturell wie demografisch ergrauen. Eine völlig unkontrollierte Zuwanderung aber würde das Land ebenfalls überfordern. Nötig ist stattdessen ein aufrichtiges Willkommen an alle, die aufgrund ihrer Fähigkeiten eine realistische Chance zur Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben in Deutschland haben. Und ein transparentes Punktesystem für Zuwanderung nach kanadischem Vorbild. Die verschwiemelten Blue-Card-Regelungen nämlich sind ein Flop und werden es bleiben. Selbst an den ohnehin bescheidenen Zielen der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung gemessen, hätten seit Mitte 2012 mehr als 5000 Menschen mit einer Blue Card ins Land kommen sollen. Gerade 3000 kamen.