Dass Popmusik und Werbung keine Gegensätze sind, zeigen beide Seiten immer wieder aufs Eindrucksvollste. Gerade räkelt sich Madonna für eine Luxus-Ledertasche, Pink textet für einen deutschen Kleinwagenhersteller, Lady Gaga wirbt für Kopfhörer. Und nun das: Sarah Connor singt für blutende Frauen. Seit Kurzem können sich die Menstruierenden dieser Welt mit dem Erwerb einer Packung Monatsbinden ihren Song "Standing On Top Of The World" aus dem Internet herunterladen. Warum du, Sarah Connor? Die Delmenhorsterin sagt, sie habe den Song "für alle selbstbewussten und unabhängigen Frauen aufgenommen". Als ob es tatsächlich irgendwo Frauen gäbe, die so abhängig sind und sich selbst so hassen, dass sie ihre Monatsblutung lieber mit Leinentüchern zum Auswaschen abfangen.Nun ist die Menstruation in der Popmusik schon länger ein beliebtes Thema. So widmete vor allem die US-amerikanische Riot-Grrrl-Bewegung der 1990er-Jahre ihre Aufmerksamkeit der Monatsblutung. Ganze Fan-Magazine und Bandnamen entstanden in dieser Tradition, mit schönen Titeln wie "Who does love eggy crash" (zu deutsch: "wer liebt schon den Eisprung") und "Ovary Action" ("Eierstock-Aktion"). Wie letzterer Name nahe legt, wurde dabei auch die politische Praxis nicht vernachlässigt: Nach einer sexistischen Anmache riss sich etwa ein Mitglied der Riot-Grrrl-Band L7 auf der Bühne den Tampon heraus und schmiss ihn nach dem Kerl im Publikum.Solche schönen Episoden wird die Popmusik mit dem neuen "Menstruationsbecher" nicht mehr erzählen können. Dieser antikapitalistische Gegenentwurf zum Tampon besteht aus einem Silikonbehälter, der die Blutung da auffängt, wo sie passiert, ausgeleert und ausgekocht werden kann und somit zehn Jahre hält. Eine Freundin von mir, Noise-Jazz-Musikerin und Türsteherin im legendären Jazzclub John Zorns in New York, importierte die Becher jetzt illegaler Weise nach Japan - dort sind die Menstruationstassen, wie in vielen anderen Ländern auch, bislang noch aus medizinischen Gründen verboten.Doch die Entwicklung hält keiner auf, und das zwingt die herkömmlichen Hersteller zum Umdenken. "Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse", warb eine bekannte Tampon-Marke jüngst für einen Imagewechsel. Auch Sarah Connors Bindenhersteller will heraus aus der Schmuddelecke. Die Firma bemühe sich eben nicht nur um die Blutung, sondern auch um den Lebensstil der Frauen, heißt es auf ihrer Homepage. Dafür begleitet sie die Regelblutung nicht nur musikalisch: "Außerdem haben wir für Sie leckere Rezepte zusammengetragen, die im Handumdrehen zubereitet sind." Lecker. Vielleicht ist Blutwurst dabei.