RHEINSBERG. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel sich gestern mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac im idyllischen Rheinsberg traf, waren auch die Bombodrom-Gegner präsent. Sie hatten sich so postiert, dass die Spitzenpolitiker bei ihnen hätten vorbeilaufen müssen. "Wir wollten Frau Merkel direkt fragen, wann sich die Regierung endlich für die friedliche Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide entscheidet", sagte Benedikt Schirke, Sprecher der Bürgerinitiative "Freie Heide". Doch der Programmpunkt beim deutsch-französischen Gipfeltreffen fiel einem kräftigen Regen zum Opfer.So streckten die Gegner des geplanten Bombenabwurfplatzes der Bundeswehr, der von Rheinsberg nur 15 Kilometer entfernt liegt, Protestplakate in die Höhe, als sich Merkel und Chirac kurz zeigten. Bereits am Vortag hatte die Bürgerinitiative die Kanzlerin zu einer "positiven Entscheidung" aufgefordert. Schließlich weiß Angela Merkel die regionale Idylle seit ihrer Kindheit zu schätzen. Im nahen Templin hat sie noch heute ein Wochenendhaus.Rheinsbergs Bürgermeister Manfred Richter (SPD), der Gastgeber, protestierte auf seine Weise gegen die Bundeswehr-Pläne. "Ich habe einem Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes einen Brief der Unternehmervereinigung Pro Heide überreicht", sagte Richter gestern. Darin warnen örtliche Unternehmer vor den verheerenden Folgen, die ein Bombenabwurfplatz auf den Tourismus in der Region haben würde. "Dieser Brief soll der Bundeskanzlerin nach ihrer Rückkehr vorgelegt werden", sagte Richter. Während des Eintrages in das Goldene Buch der Stadt wollte der Bürgermeister Angela Merkel nicht mit dem heiklen Thema behelligen.Der Kanzlerin wird das angesichts der weltpolitischen Probleme, die in Rheinsberg behandelt wurden, nur recht gewesen sein. "Die Position der Bundesregierung vertritt in dieser Angelegenheit das Bundesverteidigungsministerium", sagte ein Regierungssprecher. Im Verteidigungsministerium hieß es: "Wir halten unverändert an der Nutzung des Luft-Boden-Schießplatzes fest." Das Ministerium hatte den Bedarf an einem großen Schießplatz mit der Notwendigkeit, den Einsatz von Kampfflugzeugen für die Schnelle Eingreiftruppe der Nato zu üben, begründet.Das stellen die Bombodrom-Gegner in Abrede - schließlich funktioniere die Bundeswehr bis heute auch ohne Bombodrom. Mehrmals schon durften die Gegner sich über die Unterstützung des Vaters von Angela Merkel freuen. Bis zur Kanzlerwahl seiner Tochter habe Pfarrer Horst Kasner öfter bei Veranstaltungen gegen das Bombodrom gesprochen, sagte der "Freie Heide"-Vertreter Schirge. An der Meinung Merkels dürfte sich indes nichts geändert haben: Im April 2005 nannte sie den Bombenabwurfplatz einmal unverzichtbar.So werden wohl auch weiterhin Gerichte über das Schicksal der Heidelandschaft befinden müssen. 21 Prozesse hat die Berliner Anwaltskanzlei Geulen & Klinger seit 1995 gegen die Bundeswehr geführt und alle gewonnen. Die Urteile im 22. und 23. Verfahren sollen in den nächsten Tagen folgen. "Wir sind sicher, erneut erfolgreich zu sein", sagt Anwalt Reiner Geulen.Gegner der Bundeswehr sind diesmal Lerz in Mecklenburg-Vorpommern - und Rheinsberg.------------------------------Bomben bis 1993Bombodrom: 1946/47 richtete die Sowjetarmee in der Kyritz-Ruppiner Heide einen 12 000 Hektar großen Bombenabwurfplatz ein. Geübt wurde bis zum Truppenabzug 1993.Bundeswehr: Die Bundeswehr will das Areal zur Ausbildung von Piloten der Luftwaffe nutzen. Zwei andere Luft-Boden-Schießplätze liegen in Niedersachsen und Bayern.Bürgerinitiative: 1992 entstand vor Ort die inzwischen älteste Bürgerinitiative "Freie Heide". Sie drängt auf eine friedliche Nutzung des Gebiets, zu dem auch Rheinsberg gehört.------------------------------Karte: Luft-Boden-Schießplatz