BERLIN, 3. Mai. Die Basketball-Bundesliga ist kein Haifischbekken, zumindest nicht nach der Schlußsirene. Schnell kühlen die Gemüter herunter, man sitzt friedlich zusammen, tauscht sich aus, plündert das Büffet. Treffen gar Bonn und Berlin aufeinander, breitet sich allenthalben harmonische Familienatmosphäre aus. Baskets-Coach Bruno Soce bezeugte einst die Trauung von Vera und Svetislav Pesic, heute für die Geschicke in der Hauptstadt zuständig. Daß Gunther Behnke 1995 im Alba-Dreß den Korac-Cup gewinnen half, haben ihm die Berliner Fans nie vergessen. Vier Kilo zu schwerKapitän Henrik Rödl sicherte 1993 Seite an Seite mit Bonns Spielgestalter Derrick Phelps der Universität von North Carolina einen Meistertitel. Marko Pesic und Jörg Lütcke lernten gemeinsam mit Drazan Tomic die Grundlagen der Korbwurfkunst beim TuS Lichterfelde. Und hängt doch einmal der Haussegen schief, wird das unter sich ausgemacht, ohne öffentliches Aufsehen. Um so gnadenloser wirkte Bruno Soces Offenbarung nach dem 71:62-Erfolg des Titelverteidigers Alba am Sonntag im ersten der maximal fünf Spiele des Play-off-Finales. Auf die arglose Frage eines Journalisten, was denn gewesen wäre, wenn Tomic mit seinen beiden Freiwürfen zwei Minuten und fünfzig Sekunden vor Schluß auf 60:63 verkürzt hätte, polterte Soce los: "Tomic muß abnehmen. Vier Kilo. Aber er hört ja nicht. Wenn es so weiterläuft, wird er nicht mehr bei mir spielen." Erschrockene Gesichter rundherum, selbst Svetislav Pesic guckte verdutzt. Doch Soce hatte noch nicht fertig: "Warum er nicht abnehmen kann, weiß ich nicht. Ich paß doch auch auf. Er hat immer einen Rucksack auf dem Rücken. Dann wird er müde und kann nicht treffen. Aber ich habe zur Zeit keinen anderen Spieler." Ende der Durchsage. Den Rest läßt Soce die Medien machen.Vor zwei Jahren wechselte Tomic von Berlin nach Bonn, nicht ganz freiwillig. Durch einen Mittelfußbruch hatte er die komplette Saison 96/97 verloren, was er danach am meisten brauchte, war Spielzeit. Die war beim Meister nicht zu haben, wohl aber beim Aufsteiger. Also vermittelte Mentor Pesic den jungen Flügelspieler an seinen Freund. Tomic, 25, hat sich eingewöhnt in Bonn und sollte in dieser Saison Führungsaufgaben übernehmen. Das funktionierte, bis eine Beinblessur ihn vor den Play-offs aus dem Tritt brachte. Weder gegen Ulm im Viertelfinale noch gegen Rhöndorf im Halbfinale spielte Tomic die ihm zugedachte Rolle. Andere mußten einspringen, Kunstschütze Hurl Beechum spielte Rhöndorf in Partie vier im Alleingang an die Wand.Zwei Sekunden für den SchußDoch gegen Alba klappt das nicht. Selbst wenn die Berliner nur zehn Minuten vor und zehn Minuten nach der Halbzeit wirklich gut sind, reicht das, um Beechum, Phelps und Steven Hutchinson aus dem Spiel zu nehmen. Dann fehlt ein überraschender Wurf von außen, ein beherzter Zug zum Korb Dinge, die Tomic leisten kann. Wenn er fit ist. Mit Übergewicht jedoch, so Soce, "braucht er zwei Sekunden, um einen Schuß anzusetzen". Viel zu lange eben. Daß die harsche Kritik des Trainers Tomic bis Mittwoch zum zweiten Play-off-Duell in Bonn schneller werden läßt, muß allerdings bezweifelt werden. Vielleicht vermißte Soce bei soviel Harmonie einfach etwas Biß.