Früher roch es im SEZ vor allem nach Chlor, jetzt riecht es nach Farbe. Und die sticht auch ins Auge. Die einst tristen Wände des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee leuchten jetzt in sattem Gelb und Blau. Doch das ist offenbar nicht jedermanns Sache. "Die Farbgestaltung ist etwas gewöhnungsbedürftig", formuliert es der Lichtenberger Klaus Wirth vorsichtig. Gemeinsam mit seiner Frau steht er vor dem hölzernen Empfangstresen, den der neue Besitzer des SEZ am Eingang zur Petersburger Straße errichten ließ. Wirth und seine Frau sind gekommen, um "mal zu schauen", wie sie es nennen. Schließlich war der einstige Vorzeige-Sportkomplex des Ostens elf Monate lang zu, seit Donnerstag voriger Woche ist er wieder offen. Teilweise jedenfalls. Der Leipziger Eigentümer, der das Haus für einen Euro vom Liegenschaftsfonds erwarb, hat zunächst das Bowling-Center und die Ballspielhalle wieder eröffnet. "Viele wollen sich erstmal alles anschauen und mit früher vergleichen", sagt Janis Linke. Sie ist eine von vier Empfangsdamen, die jetzt die Besucher begrüßen. Udo und Karin Marx aus Friedrichshain haben sich vor einer der 16 Bowlingbahnen postiert - und schwelgen ein bisschen in der Vergangenheit. "Alle 14 Tage waren wir früher hier", sagt der Mann, "immer freitags nach der Arbeit." Seine Frau nickt und sagt: "Wenn die Termine vergeben wurden, habe ich mich schon vormittags angestellt." Auch jetzt will das Paar regelmäßig im SEZ bowlen - "aber erstmal müssen wir unsere Freunde wieder zusammen trommeln". Heidi Cornelius hat schon vor einiger Zeit alte Bekannte zusammen getrommelt - und so manchen bereits mit Handschlag begrüßt. Sie ist eine von fünf einstigen SEZ-Mitarbeitern, die die Berliner Bäderbetriebe (BBB) dem neuen Betreiber des Hauses "ausgeliehen" haben. Der Einsatz ist freiwillig und erst mal auf ein halbes Jahres beschränkt. "Das SEZ braucht qualifizierte Mitarbeiter", begründet BBB-Vorstand Klaus Lipinsky diesen Schritt. "Der neue Betreiber erstattet uns dafür pauschal einen Teil der Lohnkosten." Über einen Mangel an Arbeit konnte sich Heidi Cornelius am ersten Wochenende nicht beklagen: Am Sonnabend- und Sonntagabend waren alle Bowling-Bahnen besetzt. Und selbst für Silvester, zu dem ein großer Ball angekündigt ist, liegen schon Reservierungen vor.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Altes Haus mit neuem Flair: Teile des SEZ haben wieder geöffnet, darunter die große Halle, in der Federball und Tischtennis gespielt werden kann.