JAN THOMSEN hält es für richtig, wenn das Problem Tilidin sorgfältig untersucht wird.Die Beschreibung klingt ideal für viele Berufsgruppen, gar nicht nur für Schläger: angstlösend, euphorisierend, schmerzhemmend sei die Wirkung von Tilidin, heißt es. Außerdem ist es leicht zu handhaben, keine Spritzen, kein stinkiger Rauch, der Konsum ist sogar völlig legal, denn die Lösung ist ja nur Medizin - wer Rheuma hat, kriegt das doch auch. Es ist daher sehr richtig, wenn der offenbar zunehmende Tilidin-Missbrauch nun genauer untersucht wird.Sollte sich jemand eine ideale Droge für die Probleme des Jungseins in der Leistungsgesellschaft ausdenken wollen, müsste dabei eigentlich so etwas wie Tilidin herauskommen. Mit brutalen Folgen, denn die Abhängigkeit folgt schnell und ist, wie die Wirkung, vergleichbar mit der von Heroin.Jenseits der Klischees marodierender Migrantenbanden ist es kein Wunder, dass Tilidin offenbar - zumindest bislang - gerade unter muslimischen Jugendlichen beliebt ist. Das hat auch soziokulturelle Hintergründe: Drogenkonsums ist verpönt unter orthodoxen Muslimen, daher scheint eine durchsichtige, leicht zu verbergende Substanz wie gemacht für den Alltag in der Subkultur. Kein prügelnder Familienvater merkt, wenn sich der Sohn auf die tägliche Tracht mit ein paar Tropfen vorbereiten kann, die die Schmerzempfindung hemmen. Zumindest dafür wird er dann nicht geschlagen.Dass sich solch ein Problem auch auf der Straße fortsetzen kann, ist klar. Wer, wie in besonderem Maße Migranten aus der Unterschicht, zwischen totaler Perspektivlosigkeit und einem Selbstverständnis als krasser Ober-Macker pendelt, dem nützt Tilidin als Glücklichmacher, als Enthemmer bei der Aggressionsabfuhr - ja sogar als Bushido-gleicher Frauenheld, denn zumindest am Anfang steigert Tilidin wohl die sexuelle Leistungsfähigkeit. Wenig später droht dann übrigens Impotenz.