LUDWIGSFELDE. Brandenburgs wohl bekanntester Baum kommt wieder. Die so genannte Stundeneiche kehrt als Kunstwerk zurück. Nicht auf die Autobahn, wo sie am Kilometer 82 zwischen Ludwigsfelde, dem Dreieck Nuthetal und dahinrasenden Fahrzeugen ein halbes Jahrhundert ihr Dasein fristete. Sondern vor das Rathaus von Ludwigsfelde. Am 9. Mai wird die aus dem Stamm der Eiche entstandene Skulptur der Künstlerin Franziska Uhl dort aufgestellt. Infrastrukturminister Frank Szymanski (SPD) wird das Kunstwerk einweihen. Es trägt, wie noch zu Lebzeiten, den Namen "Stundeneiche." So nannten den Baum viele Autofahrer, weil man zu DDR-Zeiten von dort mit dem Trabi noch eine Stunde bis in die Ostberliner City brauchte.150 Jahre alt war die Eiche. Mitarbeiter des Autobahnmeisterei Rangsdorf taten nach der Wende alles für diesen Baum, der auf dem Mittelstreifen des viel befahrenen südlichen Berliner Rings für Aufmerksamkeit sorgte. Die unter Naturschutz stehende Eiche wurde gedüngt, gegossen. Die sonst schnurgerade verlegten Leitplanken bekamen extra eine Delle.Doch genutzt hat es der Eiche nicht viel. Der Baum wurde krank zwischen den dahindonnernden Fahrzeugen. Ein Gutachten bestätigte schließlich, es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann Äste auf die Fahrbahn der sechsspurig ausgebauten Autobahn fallen und Autofahrer ernsthaft gefährden würden. Im Mai vorigen Jahres gingen Arbeiter dann mit der Säge ans Werk. An einem grauen regnerischen Tag verschwand zuerst das Naturschutzzeichen mit der Eule, dann wurden die Äste abgesägt. Zuletzt musste der Stamm daran glauben. Heute erinnert nur noch ein Baumstumpf unter Gras an Brandenburgs einzigen mitten auf einer Autobahn stehenden Baum.Künstlerin Franziska Uhl ließ den drei Tonnen schweren und fünf Meter langen Stamm in ihr Atelier nach Polen bringen. "Der Stamm war innen total kaputt, so dass ich ihn in zwei Hälften schneiden musste", erzählt sie. Teilweise bei minus zehn Grad habe sie an ihrem Kunstwerk gearbeitet. Zunächst in mühevoller Handarbeit. "Wie ein Chirurg", sagt sie. Später mit einer Schleifmaschine.Mittlerweile liegen die bearbeiteten Teile der Stundeneiche in den Bildhauerwerkstätten in der Osloer Straße in Berlin. Schon am Freitag sollen sie von dort ihre letzte Fahrt nach Ludwigsfelde antreten. Dort werden sie auf einem 40 Zentimeter hohen Sockel aufgestellt. Das Infrastrukturministerium hat die Arbeit mit 5 000 Euro unterstützt. "Ich freue mich, dass dieser für viele Menschen so populäre Baum nun als Kunstwerk weiter existiert", sagte Minister Szymanski. Die Eiche kehre nun sogar in die Nähe ihres alten Standortes zurück.