Seit 1991 laufen "Regermanisierungs"-Aktionen deutscher Rechtsextremer in der russischen Exklave Sie kamen wie Helfer. Doch der Name ihrer Mission war Programm: "Aktion Deutsches Königsberg." Gleich Anfang 1991 kreuzten sie erstmals in der jetzt zugänglichen Exklave Kaliningrad auf ­ Neonazis aus Deutschland. Ausgezogen, um "durch Ansiedlung Rußlanddeutscher in Nordostpreußen neue Fakten für eine deutsche Perspektive unserer Ostprovinz zu schaffen", wie der Kieler Rechtsaußen Dietmar Munier in einem Rundschreiben postulierte. Auch Rechtsterrorist Manfred Roeder mischte mit.Die "Regermanisierungs"-Aktionen der deutschen Neonazis konzentrierten sich von Beginn an auf Jasnaja Poljana. Dieses Dorf 120 Kilometer östlich von Königsberg, trug schon zu ostpreußischer Zeit einen berühmten Namen: Trakehnen. Wohl vor allem der nostalgischen Mystik des einstigen königlichen Gestütes wegen wollten Roeder und Munier hier ihre "Fakten schaffen", ein "deutsches Musterdorf" bauen mit Gemeinschaftshaus, Bäckerei, Gartenbaubetrieb und Trakehner-Zucht.Den Rußlanddeutschen klangen die Versprechen wie die Verheißung des Paradieses. Nach dem Zerfall der Sowjetunion in ihrer mittelasiatischen Heimat zunehmenden Diskriminierungen ausgesetzt, flüchteten Anfang der 90er Jahre tausende in die russische Exklave Königsberg. Viele siedelten sich, angelockt von vollmundigen Projekten Muniers und Roeders, in und um Jasnaja Poljana an. Was in den Schriften der "Aktion Deutsches Königsberg" stand und zwischen ihren Zeilen, war hier niemandem bekannt. In Deutschland öffneten Muniers Pläne und Roeders ähnlich gestrickte Initiative über das 1993 gegründete, als humanitäre Organisation getarnte "Deutsch-Russische Gemeinschaftswerk" vor allem bei vielen ehemaligen Ostpreußen die Herzen ­ und die Portemonnaies. Daß alte Königsberger für die zweifelhaften Projekte der beiden Neonazis so bereitwillig in die Tasche griffen und es bis heute tun, hat meist eher nostalgische Gründe als revanchistisches Streben. Munier rechnete in einem Spenden-Rundschreiben Anfang 1992 die Zahl der ins Kaliningrader Gebiet geflüchteten Rußlanddeutschen auf 40­60 000 hoch. Seriösen Schätzungen zufolge waren es damals nicht einmal halb so viele.Die Rußlanddeutschen waren für die Aktionen der Neonazis von Beginn an nur Mittel zum Zweck. Tatsächlich haben weder Roeder noch Munier ihre großspurig versprochenen Projekte realisiert. Da ist etwa der spektakulär angekündigte Wiederaufbau des deutschen Dorfes Amtshagen mit rund "50 modernen Siedlungshäusern": Bis heute stehen nicht mehr als ein halbes Dutzend Rohbauten. Für die Förderer in Deutschland bastelte Munier Propaganda-Broschüren mit gestellten Bildern und zurechtgebogenen "Erfolgsmeldungen" zusammen ­ damit der Spendenfluß nicht versiegte.