Ein Berliner Neonazi soll an den Briefbomben-Attentaten in Österreich im vergangenen Jahr beteiligt gewesen sein. Nach Angaben des österreichischen Innenministeriums fahndet Interpol zur Zeit unter anderem nach dem 27jährigen Berliner Rechts-Aktivisten Bendix Wendt, der untergetaucht sein soll.Offen ist, wie tief Berliner Neonazis in die Terrortaten verstrickt sind, denn nicht nur Wendts Name taucht in den österreichischen Ermittlungsakten auf: Einer der mutmaßlichen Täter, der Österreicher Peter Rinder, war direkt nach den Bombenanschlägen auf dem Weg an die Spree. In seinem Auto fanden sich bei der Festnahme an der tschechischen Grenze neben 15 Gewehten auch die Zutaten für Nitroglycerin, mit denen der Sprengstoff in Wien ebenfalls gemixt wurde.Endstation GrenzeBinders Ziel, rekonstruierten die Behörden, war die Wohnung des Berliner Neonazi-Chefs Arnulf Priem in Wedding. Was die Zutaten zu dem hochbrisanten Sprengstoff sowie die Schußwaffen in Berlin sollten, ist derzeit noch unklar. "Das wäre Sache des Bundeskriminalamtes, in diese Richtung weiterzuermitteln", so Cornelia Zoppoth, Sprecherin des österreichischen Innenministeriums. Das BKA wiederum verweist auf Österreich. Ihm sei nicht bekannt, daß zur Zeit spezielle Ermittlungen in Deutschland liefen, so BKA-Sprecher Jürgen Stoltenow gestern auf Anfrage der Berliner Zeitung. Die deutsche Polizei sei nur als Amtshilfe tätig geworden.Keine Ermittlungen Obwohl mittlerweile bekannt ist, daß die Schußwaffen für einen weiteren Aktivisten der Berliner Neonazi-Szene, Andreas K., bestimmt waren, ermittelt auch die Berliner Polizei nicht wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung.Dabei liegt der Verdacht nahe, daß bundesdeutsche Neonazis an der terroristischen Neonazi-Struktur beteiligt waren. Neben Wendt fahndet Interpol auch nach dem Wiesbadener Peter N., bestätigte Cornelia Zoppoth. N., so vermuten die Ermittler, könnte als Sprengstoffexperte technisches Know-how beigesteuert haben. In Österreich schnitt die Polizei außerdem zwei Telefonate von Bendix Wendt mit der Frau von Peter Binder mit, in denen sich Wendt nervös erkundigte, wann Bindet in Berlin eintreffe -der war gerade auf dem Weg in die deutsche Hauptstadt festgenommen worden.Mehrere Augenzeugen berichten außerdem, sie hätten Arnulf Priem an dem Wochenende, an dem die ersten Briefbomben detonierten, in Wien gesehen -- Priem selbst, der sich unmittelbar nach dem ersten Anschlag beim Berliner Staatsschutz gemeldet hatte, sagt dagegen aus, er sei "nie in der Ostmark", also Österreich, gewesen.Während die bundesdeutschen Behörden sich mit eigenen Ermittlungen zurückhalten, gehen die österreichischen Experten nach Informationen der Berliner Zeitung von einer engeren Zusammenarbeit Berliner und Österreichischer Neonazis aus. Es sei "möglich, daß auch in Berlin Briefbomben gebaut werden sollten", sagte eine Mitarbeiterin des österreichischen Innenministeriums gestern. Die Sprecherin der Behörde, Zoppoth, verwies auf die Anzeige, die in den kommenden Tagen an die Staatsanwaltschaft gehen werde.GeheimtreffenBereits Anfang und Mitte 1993 soll es in Österreich mehrere geheime Treffen gegeben haben, bei dem Neonazis "schreckliche Dinge" geplant hätten, berichtet die österreichische Zeitschrift "profil" in ihrer aktuellen Ausgabe unter Berufung auf Insider-Kreise. Dabei hätten die braunen Kader beschlossen, daß Österreicher und Deutsche aus Sicherheitsgründen jeweils in dem anderen Land aktiv werden sollten.Der" Redakteur der Zeitung "Antifaschistisches Infoblatt", Martin Bekker, sagte auf Anfrage, es bliebe "offen, warum die Berliner Behörden nichts gegen Priem unternehmen hg