Prinz Charles wird seine Mutter Queen Elizabeth bei der Einweihung der britischen Botschaft am kommenden Dienstag nicht begleiten. Für die Verantwortlichen dürfte das eher ein Grund zur Erleichterung sein, denn der britische Thronfolger gilt als scharfzüngiger Kritiker moderner Architektur. Und das Gebäude in der Wilhelmstraße ist mit Sicherheit die am eigenwilligsten gestaltete Botschaft der Briten weltweit. Es hat absolut nichts mit jenem Bau gemein, in dem die britischen Botschafter an gleicher Stelle bereits von 1875 bis 1939 residierten.Während die Amerikaner noch immer über besondere Sicherheitsvorkehrungen am Pariser Platz verhandeln, präsentieren die Briten einen Botschaftsbau, der "Vitalität, Dynamik und Offenheit des modernen Großbritannien" ausstrahlen soll, sagte der Pressechef der Botschaft, Alp Mehmet, am Mittwoch: "Wir wollen hier Berliner und Briten zu Ausstellungen, Modeschauen und anderen Veranstaltungen einladen." Architekt Michael Wilford sagte, der Neubau solle vor allem Transparenz demonstrieren: "Ich freue mich, hier nun Menschen arbeiten zu sehen." Der 75 Millionen Mark teure Neubau, der neben dem Hotel Adlon eine Baulücke ausfüllt, erinnert daher mit Absicht kein bisschen an eine klassische Länderrepräsentanz. Botschafter Sir Paul Lever wohnt ohnehin nicht hier. Das Gebäude ist ein typisches Bürohaus - mit besonders ausgefeilter Architektur.Englische Eiche aus HamburgGleich über dem Eingangstor ragen aus einem "Schlitz" in der Fassade geometrische Formen in Blau und Violett. Der hellblaue Körper, der trapezförmig in die Fassade gesteckt zu sein scheint, entpuppt sich im Inneren des Gebäudes als multifunktionales Informationszentrum mit Computerbibliothek. Der violette Zylinder ist der zentrale Veranstaltungs- und Vortragsraum. Die Fenster in der Steinfassade sind teilweise schräg zur Fassade versetzt. Im Inneren gruppieren sich die Büros der rund 120 Angestellten um zwei Innenhöfe mit verglasten Dächern. Der erste wird von einer 45 Jahre alten und 12 Meter hohen englischen Eiche dominiert - die allerdings aus einer Baumschule bei Hamburg stammt. Sie wirkt zwischen grauen Metall- und Granitplatten eher als Fremdkörper.Ein zweiter Eingang führt in einen hohen Raum, in dem es keinen rechten Winkel zu geben scheint. In einer zylindrischen blauen Box ist der Informationstresen untergebracht, ein knallroter Kasten an der Decke beherbergt die Technik. Eine Treppe weiter oben schließt sich der nächste glasüberdachte Raum an. An der Stirnseite des Atriums, von der Treppe gut zu erkennen, ist das historische Eingangstor der alten Botschaft eingemauert, die im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört wurde.Auf Sicherheitsvorkehrungen verzichten aber auch die Briten nicht. Das Eingangstor, das eher als Loch in der Fassade klafft, kann für Autos geöffnet werden, die somit direkt in den Innenhof fahren können. Und wer die Residenz besuchen will, muss sich selbstverständlich vorher ausweisen.Einmalig dagegen die Finanzierung des Baus. Er wurde als erstes Botschaftsgebäude Berlins von einem privaten Konsortium gebaut und wird von diesem für 30 Jahre betrieben. Großbritanniens Botschafter ist demnach Mieter in seinem Gebäude.DAS PROGRAMM Dinner mit Kanzler // Bereits am Montag, dem 17. Juli, trifft Königin Elizabeth in Berlin ein. Um 17. 45 Uhr landet ihr Flugzeug auf dem Flughafen Tegel (militärischer Teil).Den ersten Abend verbringt sie "privat" in der Residenz des britischen Botschafters, wo sie übernachten wird. Geplant ist ein Essen, an dem auch der Kanzler teilnehmen soll.Am Mittwoch, dem 18. Juli, trifft die Queen gegen 10. 20 Uhr in der Botschaft in der Wilhelmstraße 70 in Mitte ein. Die Eröffnungs-Zeremonie wird vermutlich bis 12. 30 Uhr dauern.Um 12. 30 Uhr verlässt Elizabeth II. das Gebäude über die Außentreppe. Ein kurzer Halt zum Winken ist eingeplant.Ein Mittagessen mit Bundespräsident Johannes Rau findet im Anschluss daran im Schloss Bellevue statt.Am Brandenburger Tor wird sie vermutlich gegen 14. 40 Uhr eintreffen. Da-nach besichtigt sie den Reichstag.Am British Council wird die Queen gegen 15. 45 Uhr erwartet, ihre Abfahrt zum Flughafen ist für 16. 35 Uhr festgelegt. // BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN Britische Botschaft bei Nacht: Der Körper links beherbergt einen elektronischen Multifunktionsraum, der violette Zylinder den zentralen Tagungsraum. // BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER (3) Stahlträger und Glas: Das Atrium im ersten Stockwerk. Hier liegt auch der Konferenzsaal. // BRITISCHE BOTSCHAFT In dem roten Kasten wurde die Technik für das Atrium versteckt. Er schwebt über den Köpfen der Besucher, die die Treppe hinaufsteigen. // Eine Eiche steht im Eingangshofbereich als bewusster Kontrast zur modernen Fassade // Das Wappen des historischen Eingangstores. Es hängt direkt am Treppenaufgang