Bislang konnte man beruhigt sein: Hatte man im Schlüter seinen Lieblingsfilm verpaßt, konnte man ihn später sehen. Bruno Dunst würde den Film wieder und wieder zeigen - dafür war sein Repertoire-Kino seit 34 Jahren ein Garant. Doch tauchte im April-Programm erstmalig ein "letztmalig" hinter einem Film auf, was sich im Mai häufte und im Juni zur traurigen Gewißheit wurde: Letzte Chance, die Marx Brothers, die Monty Pythons oder Woody Allen im Filmkunst-Studio zu sehen. Am 30. Juni fällt dort mit "Cinema Paradiso" endgültig der letzte Vorhang. Schon einmal vor zwei Jahren hatte Bruno Dunst die Geschichte vom Niedergang seines kleines Kinos vorsorglich auf den Monatsletzten plaziert. Doch nach zähen Verhandlungen wurde ihm für die drastische Mieterhöhung ein Aufschub gewährt. Diesmal half alle Unterstützung seitens prominenter Freunde nichts. Eines der ältesten Programmkinos Deutschlands muß vor der vervierfachten Miete kapitulieren. Bereits bei den derzeitigen 2 800 Mark konnten Bruno Dunst und seine Ehefrau Irmchen das Repertoire-Kino nur durch unermüdlichen Einsatz am Leben halten. Bei drei wechselnden Vorstellungen pro Tag sind in 34 Jahren mehr als 37 000 zusammenkommen. Nur zu Heiligabend und Silvester hatte das Kino zu.Einziger Trost für Bruno Dunst: Die Stiftung Deutsche Kinemathek hat sich entschlossen, seine Einrichtung zu übernehmen. Foyer und Projektionsraum sollen später originalgetreu im Filmhaus Potsdamer Platz wieder aufgebaut werden. Bis dahin wird Onkel Brunos Hab und Gut in der Heerstraße zwischengelagert. "Marlenes Sachen warten schon auf meine Schränke", sagt der 77jährige. Viel indes wird wohl nicht mehr hineinpassen, denn natürlich sind die Möbel bereits voll mit Filmrollen, -plakaten und -illustrierten. Was Dunst in Jahrzehnten nicht schaffte, werden nun die Kinemathek-Mitarbeiter erledigen: Sie sortieren die Sammlung systematisch.Am Montag werden sie anfangen, den Keller auszuräumen. Hier drängelt sich derzeit noch ein TV-Team des Südwestfunks. Selbst dort im Badischen ist das Berliner Original kein Unbekannter. "Bruno, kommst du noch mal?" bittet der Redakteur. Bruno Dunst schlendert an den verstaubten Regalen entlang, betrachtet melancholisch ein vergilbtes Starfoto und erzählt so nebenbei eine Anekdote aus seinem bewegten Leben. Ist das nun der scheidende Kinobesitzer oder der noch immer ambitionierte Schauspieler Bruno Dunst? Rund 80 kleinere und größere Rollen hat er bislang gespielt. Gerade ist Dunst oben auf der Leinwand im Gefangenenchor von Bucks "Männerpension" zu sehen. "Mich hört man am besten heraus", sagt er. Und so soll es bleiben. +++