Ich habe ein schlechtes, ein viel zu schlechtes Gedächtnis. Als vor drei Wochen das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ein Nachtflugverbot (22-6 Uhr) für einen weiteren Abschnitt des Flughafens Schönefeld aussprach, da dachte ich nur: Schon wieder Ärger mit dem Flughafen, den es noch gar nicht richtig gibt. Meinem schlechten Gedächtnis hilft – wenigstens in dieser Frage – ein neues Buch auf.

Das erinnert mich daran, dass schon in den allerersten Gutachten, als es noch um die Standortauswahl des zu bauenden Großflughafens ging, die Nachtflugproblematik in Schönefeld ein Thema war. Dies schien den Gutachtern rechtlich so eindeutig, dass sie sich deutlich gegen den Standort Schönefeld aussprachen. Das war zum Beispiel das Ergebnis der Untersuchung durch ein internationales Expertenteam, die im August 1991 vorgelegt wurde. Vor mehr als 20 Jahren also. Man wusste es. Man scherte sich nicht drum. Jetzt bekommt man die Quittung.

Bevor auch nur ein Spatenstich getan worden war, waren schon eine halbe Milliarde D-Mark zum Fenster hinausgeworfen worden für den Erwerb von Grundstücken, die nie gebraucht wurden. Auch das hatte ich vergessen. Auch daran erinnert Rainer W. During in seiner Chronik des Debakels BER.

Im März 1999 unterzeichnen Diepgen (Berlin), Stolpe (Brandenburg) und Müntefering (Bundesregierung) einen Vertrag mit dem einem Hochtief-Konsortium. Das wunderte niemanden. Schließlich saßen zwei der Aufsichtsratsmitglieder der zum Hoch-Tief-Konsortium gehörenden Flughafen Frankfurt AG auch in den für die Vergabe zuständigen Aufsichtsgremien der Projektplanungsgesellschaft Schönefeld und der Berlin Brandenburg Flughafen Holding.

Außerdem saß Berlins Finanzsenatorin im Aufsichtsrat der Bankengesellschaft Berlin, einem Partner von Hochtief. Am 3. August 1999 macht das Oberlandesgericht Brandenburg dem Spuk ein Ende. Die Vergabe an das Hochtief-Konsortium wird rückgängig gemacht.
Das hindert den Konzern freilich nicht, es bei der Ausschreibung für den Flughafen-Terminal im Jahre 2007 noch einmal zu versuchen. Bei dieser Ausschreibung liegen alle Bewerber deutlich über den 620 Millionen Euro, die die Betreibergesellschaft des Flughafens veranschlagt hatte. Allerdings alle drei sehr nahe bei einander: zwischen 1,038 und 1,041 Milliarden Euro.

Im Oktober wird diese Ausschreibung für hinfällig erklärt. Eine der drei Firmen klagt in der Berliner Zeitung: „Wir haben hohe Millionenbeträge investiert, um den Auftrag zu bekommen und können ihn wieder nicht realisieren.“ Es ist Bernd Pütter, Sprecher von Hochtief. „Bruchlandung in Schönefeld“ titelte die Berliner Zeitung. Das war am 10. Oktober 2007. Lange vor den Ingenieuren, ja schon Jahre vor dem ersten Spatenstich, war die Politik am neuen Großflughafen gescheitert.

Rainer W. During: Lachnummer BER, Rotbuch Verlag, Berlin, 14,99 Euro