Bühnenbildner Horst Sagert zeigt Kabinett-Show: Seine Wesen stecken voller Geschichten

Seine Bühnenbilder, seine Kostüme waren immer Ereignisse. Horst Sagert, der in den 50er Jahren an der Weißenseer Kunsthochschule Bühnenbild bei Heinrich Kilger studierte, schuf für die Schauspieler - und natürlich für die Theaterbesucher - stets eine Welt, die an alte Mimen-Traditionen anknüpfte und zugleich neu war, überraschte, verblüffte. Die Bühne wurde von ihm als Teil des Gesamtkunstwerks Theater verstanden, wie Brecht es gewollt hatte.Seit Mitte der 80er Jahre aber blieb Sagert der Bühne fern. Er wollte einen Wechsel. Ihn reizte fortan mehr das freie Gestalten als Maler, Grafiker, Plastiker. Auch die Formen werden kleiner. Und doch: Seine eigenwilligen Figuren aus Metall, die er gern mit funkelnden Steinen verziert, öfter einfach "Spielzeuge" nennt, all die originellen Medaillen aus Porzellan, die farbigen Siebdrucke oder Collagen aus Seide, Zwirn, Leder erinnern ja doch an die Welten auf der Bühne.Nun stellt Horst Sagert nach Jahren das erste Mal wieder öffentlich aus: Es wurde eine Kabinettschau. Und es ist eine ganz andere Bühne, auf der seine Wesen, die voller Geschichten stecken, agieren. Sie tun es genau da, wo viele Leute hinkommen: in den Räumen eines Doktors namens Rüdiger Kind, der außerdem die Kunst liebt und ihre förderliche Wirkung auf seine Patienten schätzt. Etwa die eines originellen Kentaur mit grüner Patina.Für Theaterfreunde, die sich an Sagerts Ausstattungen zwischen 1965 und 1985 erinnern, ist da der Bogen geschlagen. So zu den Bühnenarbeiten für Benno Bessons "Der Drache" am Deutschen Theater: in aschigen, modrigen Grautönen, mit Schwarz, Gold und sparsamem Weiß. Davor funkelte damals bedrohlich der berühmte "Drache" Eduard Fischers. Ebenfalls für Besson schuf Sagert die Ausstattungen für "Der Tartüff" und "Ödipus Tyrann" am DT; für "Turandot oder Der Kongreß der Weißwäscher" am Schauspielhaus Zürich, für "Urfaust" am Berliner Ensemble (Sagert führte Regie).Seine Arbeiten machten den Bühnenraum, das Kleid, das Licht, die handwerkliche Perfektion wichtig. Dafür erhielt er internationale Auszeichnungen, erlangte Weltgeltung. Seine Bühnen erzählten - und das tun seine Kunstwerke noch immer. Damals entstand der Zauber aus Spiegeln, Leder, Spitzen, Fell, Ornamenten. In heutigen Arbeiten finden sich viele dieser Materialien wieder. Nun aber dürfen es schon mal Perlen und der eine oder andere Edelstein sein.Claudia von Zglinicki Bis 3. Mai, Mo-Fr, Hans-Otto-Str. 1, Prenzlauer Berg. +++