Als "neuen Skandal" haben die Bündnisgrünen die Mitgliedschaft des 35jährige Aurel Archner in der Freiwilligen Polizeireserve (FPR) bezeichnet. Archner war bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin im Wahlkreis 4 Direktkandidat für die Republikaner für die Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung.Der Fraktionschef der Bündnisgrünen Wolfgang Wieland will in einer kleinen Anfrage die Rolle Archners in der rechtsextremen Szene klären lassen. Nach Recherchen der Berliner Zeitung erscheint Archner im Impressum der Jugendzeitung "Denkzettel", einem Blatt der Jungen Nationaldemokraten (JN). JN gilt als Jugendorganisation der rechtsextremistischen NPD. Gegen mehrere Funktionäre werden bundesweit Ermittlungsverfahren wegen Propagandadelikten geführt. Außerdem erscheint Archner, der Mitarbeiter einer Werbeagentur ist, in mehreren rechtsextremistischen Flugblättern als Herausgeber. Archner soll am 16. Januar 1995 an einer sogenannten Reichsgründungsfeier der rechtsextremistischen Berliner Kulturgemeinschaft Preußen e. V in Schöneberg teilgenommen haben. Für eben jenen Verein soll Archner als Mitglied FPR in der Polizeikantine an der Königstraße in Zehlendorf eine Weihnachtsfeier organisiert haben.Für Wieland ist die Mitgliedschaft Archners in der Freiwilligen Polizeireserve der Beweis dafür, daß die FPR nach wie vor unkontrollierbar ist. "Sie muß unverzüglich aufgelöst werden", so der Politiker. Weder die Organisationsstruktur noch die neuen Einstellungsrichtlinien oder die alle zwei Jahre stattfindende Überprüfung könnten sicherstellen, daß die FPR nicht als waffentechnische Ausbildungsstätte genutzt werde. Wieland spricht von einem neuen Skandal: "Die FPR ist noch nicht sauber."Wieland will aber auch wissen, ob eventuell nachbarliche Kontakte des "hochrangigen Rechtsextremisten" mit Eberhard Diepgen (CDU) bestehen. Denn das Haus Heimat 91 d, Archners Meldeanschrift in Zehlendorf, grenzt an das Grundstück des Regierenden Bürgermeisters. +++