BERLIN. Die Berliner mögen Klaus Wowereit nicht mehr: Auf der aktuellen Beliebtheitsskala des Meinungsforschungsinstituts Forsa ist der Regierende Bürgermeister auf Rang sieben abgestürzt. Damit verstärkt sich für den Regierenden Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidaten vor der Abgeordnetenhauswahl 2011 ein Abwärtstrend in der Publikumsgunst, der bereits im vergangenen Jahr begonnen hatte. 2009 verdrängte zunächst Innensenator Ehrhart Körting (SPD) den Regierenden von seinem angestammten Platz eins in der Bekanntheits- und Beliebtheitsskala des Umfrageinstituts, später schob sich Wirtschaftssenator Harald Wolf, der der Linkspartei angehört, vor Wowereit.Exakt 1001 Berliner antworteten dem von der Berliner Zeitung beauftragten Institut in den vergangenen zwei Wochen auf die Frage, wo sie Landespolitiker auf einer Skala von plus 5 bis minus 5 einordnen. Wowereit kam im Februar nur noch auf einen Wert von 0,4, das sind 0,3 Punkte weniger als im Januar.Angeführt wird die Liste erneut von Innensenator Ehrhart Körting, gefolgt von Wirtschaftssenator Harald Wolf und dem in der Tabelle aufgestiegenen Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos). Vor Wowereit haben sich auch SPD-Partei- und Fraktionschef Michael Müller und die beiden Grünen-Fraktionschefs Ramona Pop und Volker Ratzmann positioniert.Die geschwächte Berliner SPD hat damit ein neues Problem. Sie braucht den bekannten und früher populären Wowereit als Spitzenmann für die Wahl 2011. Seit seiner Wahl zum stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden war Wowereit Überdruss an der Landespolitik angekreidet worden. Die Landespartei war deshalb erleichtert, als sich der Regierende bei der Fraktionsklausur im Januar trotz aller Gerüchte über seine bundespolitischen Ambitionen zur neuerlichen Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl bekannte. Dass Wowereit nun deutlich an Zustimmung verliert, schmälert die Chancen der Berliner Sozialdemokraten, die sich wie schon im Januar eigentlich über positive Zahlen freuen können.Wäre am kommenden Sonntag Wahl zum Abgeordnetenhaus, würde die SPD mit 25 Prozent (plus 1 im Vergleich zum Vormonat) stärkste politische Kraft in Berlin. Die CDU käme auf 22 Prozent (minus 1), die Grünen auf 19 (minus 1), die Linkspartei auf 18 (plus 1) und die FDP auf 6 Prozent (plus1). Ursache für den positiven Trend dürfte die selbstkritische Auseinandersetzung der Bundes- und der Landespartei mit sozialpolitischen Fehlern der letzten Jahre infolge des desaströsen Wahlergebnisses bei der Bundestagswahl 2009 sein.Dass Wowereit von diesem Trend seiner Partei nicht profitiert, liegt offenbar in seinem persönlichen Verhalten begründet. Schon beim S-Bahn-Desaster war ihm schlechtes Krisenmanagement vorgehalten worden. Aus der Forsa-Umfrage ergibt sich, dass die Berliner ihm offenbar auch zögerliches Handeln und despektierliche Äußerungen über das wochenlange Eis-Chaos in der Stadt übelnehmen. Während sich hunderte Berliner auf spiegelglatten Wegen die Knochen brachen, ließ Wowereit die Stadt mit seinem Ausspruch, man sei hier "nicht in Haiti", wissen, dass er die allgemeine Empörung über die mangelnde Bekämpfung der Eisglätte für übertrieben halte. Für rund drei Viertel der Befragten ist der Unmut über die Winterprobleme indes berechtigt.Kommentar Seite 4, Berlin Seite 19------------------------------Grafik: Sonntagsfrage