Der Aktenordner von Heike Wegner ist prall gefüllt: Er enthält einen schier endlosen Briefwechsel mit dem Senat, den Verkehrsbetrieben BVG, dem Weißenseer Bürgermeister, dem Fahrgastverband. Heike Wegner ist Mitglied der Bürgerinitiative Langhansstraße, die seit Jahren gegen den Straßenbahnlärm in der Straße ankämpft. Bislang vergeblich. Dabei ist das Problem auch beim Senat als gravierend bekannt. Wegner verweist auf ein Schreiben der Senatsverwaltung für Umweltschutz vom September 1992. Darin heißt es, dass "die Langhansstraße am Tage mit 75-76 db(A) und in der Nacht mit 73-74 db(A) belastet ist". Angesichts der 28 Bahnen, die damals stündlich durch die Straße donnerten, seien die Beschwerden der Anwohner "voll berechtigt". Inzwischen, sagt BI-Sprecherin Wegner, habe sich die Situation noch verschärft. Laut Bürgerinitiative sind die Bahnen jetzt im Eineinhalb-Minuten-Takt unterwegs. Entsprechend sei auch der Lärmpegel gestiegen. Der betrage laut Messungen von 1999 direkt an den Bahnen minimal 80 und könne Werte bis zu 100 Dezibel erreichen - abhängig, mit welchem Tempo die Tram fährt. "Die Lärmwelle", sagt BI-Chef Rudi Gahtow, "ist trotz Lärmschutzfenstern in dem Wohnungen voll zu spüren." Gahtow ärgert, dass die Lärmbelastung in der Straße von den Behörden hingenommen wird, während beim geplanten Großflughafen Schönefeld eine öffentliche Debatte um die Folgen für die Anwohner geführt wird. "Dort gelten Belastungen ab 55 Dezibel, wenn sie dauerhaft auftreten, schon als gesundheitsschädlich", sagt er. Völlig unverständlich findet er, dass die Tram-Strecke in der Langhansstraße 1993 für 11,3 Millionen Mark saniert, auf Lärmschutzmaßnahmen jedoch verzichtet wurde. Einen Anspruch darauf haben die Anwohner scheinbar nicht. "Die Gesetzeslage sieht an vorhandenen, nicht wesentlich geänderten Strecken keine besonderen Lärmschutzmaßnahmen vor." Für deren Finanzierung fehle die gesetzliche Grundlage, teilte BVG-Straßenbahndirektor Wolfgang Predl 1998 mit.Die Bürgerinitiative verlangt auf der gesamten Langhansstraße Tempo 30 für die Tram. Mittelfristig fordert sie, die Bahn aus der engen Straße heraus-zunehmen und die Trasse über die Ostseestraße zu führen. Eine Variante, die laut Wegner auch in den BVG-Planungen vorkommt. Dort könnten alle Möglichkeiten des Lärmschutzes genutzt werden. Zudem sei die Ostseestraße breiter und verfüge über einen Mittelstreifen für die Tram-Gleise. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sich die Anwohner an die verkehrspolitischen Sprecher aller Parteien im Abgeordnetenhaus gewandt. Anfang November gab es ein Treffen, zu dem auch Vertreter von BVG und Senat kamen. Eine zweite Runde soll im Januar folgen: "Wir hoffen, dass dann Vorschläge zum Lärmschutz vorliegen", sagt Wegner.