Am 16. Juni wurde Bauer Helmut Qualitz zum Helden. Er brachte den Frontlader seines Treckers in Stellung, trat aufs Gaspedal und brach mit gewaltigem Rums durch die Berliner Mauer. Binnen Sekunden zerbröselte der poröse DDR-Beton, und Bauer Qualitz fuhr mit seinem Trecker gen Osten.Für diese Heldentat wird er nun geehrt - von der Reinickendorfer CDU-Bürgermeisterin Marlies Wanjura. Auf ihre Initiative hin wird am heutigen Sonnabend an der Blankenfelder Chaussee eine Gedenktafel für Qualitz enthüllt. Auf der steht: "Als Dank und zur Erinnerung an den mutigen Grenzdurchbruch am 16. Juni 1990 - ausgeführt von Helmut Qualitz und der Freiwilligen Feuerwehr. " Natürlich ist Helmut Qualitz kein Held. Als er mit seinem Trecker durch die Mauer brach, waren die DDR-Grenzer schon freundlich und trugen Schnurrbärte. Die Grenze war bereits seit 219 Tagen offen, und es fehlten noch zwei Wochen bis zur Währungsunion. Berliner und Touristen klopften mit Hammer und Meißel Bröckchen als Andenken aus dem antifaschistischen Schutzwall. Weil die Mauer in Lübars aber noch stand, schritt der damals 59-jährige Helmut Qualitz zur Tat.Wer Bürgermeisterin Wanjura fragt, warum ihr das eine Gedenktafel wert ist, dem antwortet sie mit einer Gegenfrage: "Hat Sie die SPD geschickt?" Dieser Argwohn kommt nicht von ungefähr: Erst vor kurzem hat sich die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung mit der Gedenktafel zum späten Mauerdurchbruch befasst. "Wir waren etwas ratlos, was das zu diesem Zeitpunkt noch für eine große Tat gewesen sein könnte", sagt Fraktionschef Wolfgang Brennecke.Doch die Bürgermeisterin meint es ernst. "Bürgerinitiative und Zivilcourage kommen nie zu spät", sagt sie. Marlies Wanjura will sogar herausgefunden haben, dass die Stelle auf der Blankenfelder Chaussee seit damals im Volksmund "Checkpoint Qualitz" genannt wird.Dem plötzlich so berühmten Bauern ist das Ganze etwas peinlich: "Das mit der Tafel freut mich ja. Aber ich frag mich, was an meiner Tat so mutig war. " Qualitz erinnert sich noch recht gut an diesen 16. Juni 1990: "Wir saßen am Nachmittag zusammen und sagten: ,Menschenskinder, wir könnten doch eigentlich die Mauer an der Stelle beiseite nehmen und die Blankenfelder Chaussee öffnen. " Am ersten Tag riss Qualitz mit seinem Sohn und einem Kumpel die Mauersegmente weg; am zweiten Tag fuhr er mit dem Trecker in den Osten und hielt direkt bei der Freiwilligen Feuerwehr in Blankenfelde. "Als der Trecker aus dem Westen kam, haben die nicht schlecht geguckt", sagt er. Schließlich räumten sie gemeinsam die Mauerreste weg, entsorgten den Müll und tranken eine Kiste Sekt aus. Mehr, sagt Bauer Qualitz, war eigentlich nicht."Als Dank und zur Erinnerung an den mutigen Grenzdurchbruch am 16. Juni 1990 - ausgeführt von Helmut Qualitz und der Freiwilligen Feuerwehr. " Text auf der Gedenktafel