Das neue Wehr Charlottenburg ist fertig. Die Staustufe in der Spree wird heute abgenommen. Der Ersatzbau für die alte, von 1883 bis 1885 errichtete Anlage hat eine große Bedeutung für die "Wasserstadt" Berlin. Über das Wehr, das neben der Schleuse Charlottenburg liegt, wird der Wasserstand der Spree bis hin zum Mühlendamm im Stadtzentrum geregelt - und damit auch der Grundwasserstand. "Ein Ausfall dieser Anlage hätte katastrophale Folgen für die betroffenen Stadtgebiete", teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin mit.Wehre stauen fließendes Wasser und heben so den Wasserspiegel. Gäbe es das Wehr im Norden Charlottenburgs nicht, würde die Spree schneller durch die Stadt fließen. Dadurch würde der Grundwasserspiegel sinken - was sich verheerend auf Parks und die übrige Vegetation in Berlin auswirken würde. Eine Inspektion des alten Wehres hatte 1996 ein alarmierendes Ergebnis erbracht. Die Fachleute der Bundesbehörde stellten fest, dass dieses Bauwerk nicht mehr standsicher war. Im Februar 1998 begann ungefähr 20 Meter flussaufwärts der Neubau - "eine technisch außerordentlich anspruchsvolle Baumaßnahme", so das Wasser- und Schifffahrtsamt. Die Betonsohle des neuen Bauwerks ist mit rund 300 Ankerpfählen gegen Auftrieb gesichert worden. Die beiden stählernen "Schütze", mit denen der Wasserstand geregelt wird, sowie die Wehrbrücke wurden per Schiff aus Aschaffenburg in Bayern herangebracht. Vor Ort wurden sie mittels eines Schwimmkrans montiert. 2 000 Kubikmeter Beton wurden verbaut, zehn Millionen Mark hat der Bund für das neue Wehr bezahlt.Neue Schleusen sind 2002 fertigWenige Meter von der Spree-Staustufe entfernt wird ein weiteres Wasserbauprojekt verwirklicht: Dort lässt das Wasserstraßen-Neubauamt Berlin für rund 30 Millionen Mark die neue Schleuse Charlottenburg errichten. "Im kommenden Jahr soll sowohl dieses Bauwerk als auch die neue Schleuse in Spandau fertig sein", teilt das Bundesministerium für Verkehr mit. "Mit der Anlage in Charlottenburg ermöglichen wir bis zu 110 Meter langen Güterschiffen die Zufahrt zum Westhafen." Denn die frühere Schleuse war nicht nur baufällig, sondern auch zu klein. Ihre Kammern waren 65 und 82 Meter lang. Die neue Anlage bekommt eine 115 Meter lange, zwölf Meter breite und 4,50 Meter tiefe Kammer. Ihr mussten nicht nur die Bauten der alten Schleuse, sondern auch mehr als hundert Kleingärten der Kolonie Bleibtreu sowie ein Wohnhaus und ein Pumpwerk weichen. Westlich davon werden weitere 37 Schrebergärten beseitigt. Dort wird die Spree begradigt, um den Schiffen die Zufahrt zur neuen Schleuse zu erleichtern. Der neue Spree-Durchstich kostet rund 95 Millionen Mark und soll 2003 fertig sein, meldete das Bundesministerium. Sowohl der Schleusen-Neubau als auch die Flussbegradigung in Charlottenburg sind Teil des Verkehrsprojekts 17 Deutsche Einheit, das den Ausbau der Wasserstraße Hannover-Berlin umfasst. Umweltschützer wenden ein, dass dieses Milliardenprojekt nicht erforderlich ist. Seit mehreren Jahren werden in den Berliner Häfen immer weniger Güter umgeschlagen.BERLINER ZEITUNG/DANIEL BRAUN Am Kilometer 6,45 entstand das neue Wehr Charlottenburg.