Berlin. dpaWegen Verrats von Mandanten an die Stasi hat der Ex-DDR-Kirchenanwalt Wolfgang Schnur seine Anwaltszulassung endgültig verloren.Wie die Berliner Justiz gestern mitteilte, bestätigte der Bundesgerichtshof eine entsprechende Entscheidung des Berliner Ehrengerichtshofs vom August 1993. Der 50jährige Jurist, der in der DDR zahlreiche Oppositionelle vertreten hat und Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs (DA) war, sei über Jahre inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gewesen. Über die Grenzen der DDR wurde Schnur bekannt, als er im Frühjahr 1988 die Verteidigung einiger regimekritischer Teilnehmer der Luxemburg / Liebknech-Demonstration in Ost-Berlin übernahm.Schnur wird vorgeworfen, seine Verschwiegenheitspflicht gegenüber Mandanten -- insbesondere Ausreisewilligen und Wehrdienstverweigerern -- verletzt sowie Informationen aus Kirchenkreisen und Oppositionsgruppen weitergegeben zu haben. Schnur hatte die Vorwürfe stets bestritten.