Bundespräsident Roman Herzog hatte am Donnerstag abend ins Schloß Bellevue eingeladen, um Steven Spielberg das Große Verdienstkreuz mit Stern zu verleihen. Der amerikanische Regisseur erhielt den vierthöchsten deutschen Orden für seinen Holocaustfilm "Schindlers Liste". Der Regisseur hatte ein Geschenk für Herzog mitgebracht: eine Originalausgabe von Moses Mendelssons "Die Rituale der Juden". Der weise Mann habe dieses Buch vor fast 200 Jahren geschrieben, damit Juden und Deutsche sich besser verstehen, sagte Spielberg. "Dieses Versprechen der Vergangenheit ist ein Versprechen für die Zukunft."In einem großen Zelt im Schloßpark hingen mit Hopfen umwickelte Kronleuchter mit Kerzen in kleinen Gläsern, die Tische waren mit orangefarbenen Blütenblättern bestreut. 550 Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft waren gekommen, um mit Spielberg seine Auszeichnung und die Weltpremiere seiner neuen CD-ROM mit Augenzeugenberichten Holocaust-Überlebender zu feiern. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, war ebenso gekommen wieHilmar Kopper, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Harald Juhnke, Volker Schlöndorff und der amerikanische Botschafter John Kornblum. "Der Orden bedeutet viel für die amerikanischen Juden", sagte der Präsident des American Jewish Committees, Bruce Ramer. "Er zeigt, daß sich in Deutschland viel bewegt hat."Spielberg "zaubere Bilder, die in den Köpfen der Menschen hängenbleiben und Teil ihrer Weltsicht werden", sagte Bundespräsident Herzog. Seine Bilder hätten vor allem Jugendliche erreicht, so daß sie diese Geschehnisse nicht mehr vergessen würden."Schindlers Liste", der auf einem Tatsachenroman von Thomas Keneally beruht, erzählt die Geschichte des deutschen Industriellen Oskar Schindler, der im Zweiten Weltkrieg in Krakau 1 200 Juden vor dem Vernichtungslager rettete."Der Kreis meiner Familiengeschichte hat sich geschlossen", sagte Spielberg, "meine Vorfahren stammen aus Polen, nicht weit von hier, und ich erhalte in Berlin heute diesen Orden. Das zeigt, wie weit wir gekommen sind."Bundespräsident Herzog würdigte auch die 1994 von Spielberg gegründete Shoa-Stiftung, die überall auf der Welt die Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden durch gefilmte Interviews dokumentiert. Bald werde es niemanden mehr geben, der diese Zeit miterlebt habe, sagte Herzog. Damit zum Erinneren auch das Verstehen komme, würden Bilder immer wichtiger. "Verstehen wächst nicht durch Zahlenkolonnen und historische Seminare", sagte Herzog, "es sind die Bilder, die sich uns einprägen." Die Shoa-Stiftung sei sein wichtigstes Projekt, sagte Spielberg. "Es geht mir dabei weniger um die Vergangenheit als um die Zukunft." Von dem Mut dieser Menschen könnten auch noch die nächsten Generationen viel lernen.Nach den Reden stand plötzlich der jüdische Klarinettist Giora Feidmann von seinem Platz auf und spielte leise die Titelmusik von "Schindlers Liste", während er durch die Tische hindurch zum Podium ging. "Ich mußte Spielberg diese Melodie zurückgeben, die er mir geschenkt hat", sagte Feidmann, "ich trage sie immer bei mir."