BERLIN, 21. Oktober. Wer ab dem Jahr 2005 in Rente geht, muss mit deutlichen finanziellen Verlusten rechnen. "Davon sind fast alle Neurentner betroffen", sagte der Sprecher der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, Walter Glanz, der Berliner Zeitung. Ursache für die Einbußen ist der von der Bundesregierung vorgesehene schrittweise Wegfall von Anrechnungszeiten für Schul-, Fachhochschul- und Hochschulausbildung bei der Rentenberechnung. Arbeitnehmer, die im Jahr 2008 in den Ruhestand gehen, erhalten dadurch eine bis zu etwa 55 Euro niedrigere monatliche Rente, als es gegenwärtig der Fall ist.Bei der Rentenberechnung werden Ausbildungszeiten nach dem 17. Lebensjahr gegenwärtig mit maximal drei Jahren berücksichtigt. Bis 1996 waren es noch bis zu sieben Jahre; bis 1991 noch 13 Jahre, wenn mindestens während der Hälfte der gesamten Versicherungsdauer Beiträge errichtet wurden.Drei Jahre ÜbergangsphaseKonkret ist nun von der Bundesregierung vorgesehen, Anrechnungszeiten für den Schul-, Fachhochschul- und Hochschulbesuch im Zeitraum von 2005 bis 2007 monatlich abzuschmelzen. Beispiel: Ein Arbeitnehmer, der im Februar 2005 in den Ruhestand geht, erhält maximal nur noch zwei Jahre und elf Monate seiner Ausbildungszeiten für die Rente angerechnet. Ab 2008 werden diese Zeiten gar nicht mehr berücksichtigt.Die geringsten Einbußen durch die Neuregelung haben Arbeitnehmer zu erwarten, die nach dem 17. Lebensjahr bereits die Schule verlassen und dann eine Lehre gemacht haben. Während der Lehrjahre sind im Regelfall bereits Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt worden. In Kreisen der Rentenversicherer wurde darauf verwiesen, dass sich Beiträge, die während der beruflichen Ausbildung gezahlt werden, wahrscheinlich nicht mehr so rentensteigernd wie früher auswirken werden. Achtung: Rentenversicherte, die keine klassische Lehre gemacht, sondern in einer überbetrieblichen Ausbildung einen Beruf erlernt haben, werden - solange keine Rentenbeiträge gezahlt werden - ab 2005 ebenfalls weniger Rente ausgezahlt bekommen.Begründet hat Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) die geplanten Einschnitte vor allem für Akademiker damit, dass das Prinzip der Lohn- und Beitragsbezogenheit gestärkt werden müsse. Die bisherige Besserstellung von Hochschulabsolventen werde in Zukunft wegfallen. Vor dem Hintergrund steigender demografischer Belastungen der Alterssicherungssysteme könne es nicht länger Aufgabe der Versichertengemeinschaft sein, Ausbildungszeiten ohne Beitragszahlungen rentenrechtlich auszugleichen, heißt es im Eckpunktepapier zur Rentenreform. Angerechnet werden sollen die Ausbildungszeiten aber offenbar weiter, wenn es um die Entscheidung geht, ob anhand der Versicherungszeiten überhaupt eine gesetzliche Rente zu gewähren ist. Die gesetzlichen Rentenversicherungsträger weisen darauf hin, dass die in den nächsten Tagen und Wochen verschickten Renteninformationen noch nicht die Eckpunkte der neuen Rentenreform berücksichtigen. "Erst wenn das Gesetz in Kraft ist, können wir die Renteninformationen anpassen", sagte BfA-Sprecher Glanz. "Dann werden die Versicherten darüber informiert, wie sich die neuen Regelungen konkret auf ihre Rente auswirken."Weniger Geld // SPD und Grüne wollen durch kurzfristige Sparmaßnahmen im Volumen von fast acht Milliarden Euro erreichen, dass der Beitragssatz zur Rentenversicherung auch im kommenden Jahr bei 19,5 Prozent stabil bleibt. Der größte Teil des Sparvolumens soll durch eine Absenkung der Rücklagen der Rentenversicherer erbracht werden.Bei den Rentnern werden weitere 2,6 Milliarden Euro eingespart. Ihre Bezüge sollen 2004 nicht erhöht werden und werden sogar sinken, weil Rentner ab April alleine für ihren Pflegeversicherungsbeitrag aufkommen sollen. Der Zahlungstermin der Altersbezüge für Neurentner wird vom Monatsanfang auf das Monatsende verschoben.DDP/FABIAN MATZERATH Medizinstudenten: Ihre Ausbildung zählt künftig nicht mehr für die Rente.