KASSEL, 19. Oktober. Frauen, die sich aufgrund psychischer Belastungen die Brust vergrößern oder verkleinern lassen, haben keinen Anspruch auf eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Das entschied das Bundessozialgericht (BSG) in drei Fällen in einem Beschluss vom Dienstag. Das Gericht sah bei den Betroffenen keine behandlungsbedürftigen Krankheiten im Sinne des Krankenversicherungsrechts und gab den Kassen Recht, die die Operationen abgelehnt hatten.Ein "regelwidriger Körperzustand ohne entstellende Wirkung und ohne wesentliche Funktionseinschränkung" sei nicht als Krankheit zu werten, wenn dieser eine psychische Belastung für die Betroffenen darstelle und zu einer psychischen Erkrankung geführt habe, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Operationen am gesunden Körper sind demnach von den Kassen auch dann nicht abgedeckt, wenn "positive Auswirkungen auf den Seelenzustand" zu erwarten seien. Das BSG betonte, dass ein "regelwidriger Körperzustand" nicht jede Abweichung von dem Aussehen bedeute, das als gesellschaftlich erstrebenswert angesehen werde. Dies gelte insbesondere für die weibliche Brust, für die "keine Normgröße oder Normalform, sondern vielfältige Ausprägungen typisch sind". In einem Fall hatte eine 1973 geborene Frau eine Brustvergrößerung mit einer psychischen Erkrankung begründet und von einem Sozialgericht zunächst Recht bekommen. Das BSG entschied dagegen, die gesetzliche Krankenversicherung sei auf die Mittel der Psychotherapie beschränkt, die Krankenkasse müsse nicht zahlen. Ebenfalls abgelehnt wurde eine Brustvergrößerung, weil die Klägerin "weder von einer Fehlanlage der Brust noch von einer entstellenden Körperform" betroffen sei. In einem dritten Fall lehnte das Gericht die Kostenübernahme für eine bereits erfolgte Brustverkleinerung ab, weil die Brustgröße keine körperlichen Folgen etwa auf die Wirbelsäule habe. (Az.: B 1 KR 3/03 R, B 1 KR 23/03 R, B 1 KR 9/04 R) (AFP)