Wenn die Bänke des Plenarsaals bei einer Fernsehübertragung leer wirken, dann liegt das meist nicht an der Faulheit der Abgeordneten. Der überwiegende Teil der parlamentarischen Arbeit wird außerhalb der großen Bundestags-Debatten hinter oftmals verschlossenen Türen geleistet: In den 23 Ausschüssen wird über Gesetzesvorhaben im Detail beraten, sie werden verändert und man stimmt über sie ab. Hier findet die demokratische Feinarbeit statt, während in der großen Bundestagsrunde rhetorisch gefochten wird.

Entsprechend begehrt und prestigeträchtig sind die Posten der Ausschussvorsitzenden. Regierung und Opposition haben sich darauf geeinigt, dass in der neuen Legislaturperiode die CDU zehn dieser Positionen besetzen darf. Auf die SPD entfallen sieben und auf CSU, Linkspartei und Grüne je zwei. Offiziell wollen die meisten Fraktionen in der kommenden Woche über die Besetzung entscheiden. Doch zeichnen sich bereits die wichtigsten Personalien ab.

Unter anderem dürften die Ex-Minister Norbert Röttgen (CDU) und Peter Ramsauer (CSU) mit je einem Vorsitz (Auswärtiges und Wirtschaft) entschädigt werden. Die Leitung des wichtigen Verteidigungsausschusses geht an den Kieler Abgeordneten Hans-Peter Bartels (SPD).

Traditionell wird der Haushaltsausschuss von der stärksten Oppositionspartei im Bundestag geführt, damit diese ihre Kontrollrechte wahrnehmen kann. Damit wechselt dieser einflussreiche Posten von der SPD zur Linkspartei, die dafür ihre Ex-Vorsitzende Gesine Lötzsch ins Rennen schicken will. Umgekehrt wechselt der Ausschuss für Arbeit und Soziales von der Linkspartei zur SPD. Als Chefin ist die aus dem Düsseldorfer Umland stammende Kerstin Griese vorgesehen.

Es fällt auf, dass vier der sieben Vorsitzposten, die der SPD zustehen, mit Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen besetzt werden. Offenbar hat der mächtige Landesverband, der bei der Ämtervergabe bislang nur das Umweltministerium (Barbara Hendricks) und das Schatzmeisteramt (Dietmar Nietan) mit Landsleuten besetzen konnte, mächtig Druck gemacht. So erklärt sich auch die Favoritenrolle der aus Horstmar stammenden Ingrid Arndt-Brauer für den Vorsitz des Finanzausschusses, um den sich insgesamt vier SPD-Parlamentarier bemüht hatten.

Bei der Union dürften Wolfgang Bosbach (Innen) und Gunther Krichbaum (Europa) ihre Ausschussvorsitze behalten. Der zuletzt von dem aus der CDU ausgetretenen Siegfried Kauder geleitete Rechtsausschuss mutiert zum Justiz- und Verbraucherausschuss und geht an die Grünen. Ihn soll Ex-Verbraucherschutzministerin Renate Künast leiten. Auch den Umweltausschuss will die Ökopartei einer Ex-Ministerin überantworten: Er soll von der früheren NRW-Ressortchefin Bärbel Höhn geleitet werden. Als zweite Repräsentantin der Linkspartei neben Lötzsch ist Kersten Steinke für den Vorsitz des Petitionsausschusses vorgesehen.

Als gesetzt gelten auch die Leiter der Ausschüsse für Sport (Dagmar Freitag, SPD), Verkehr (Martin Burkert, SPD) und Kultur (Siegmund Ehrmann, SPD). Als Favorit für den Gesundheitsausschuss gilt Edgar Franke (SPD), doch könnte es eine interne Gegenkandidatur geben. Die CDU/CSU, der neben den genannten Ausschüssen auch die für Immunität, Landwirtschaft, Familie, Menschenrechte, Bildung, Entwicklung, Tourismus und Digitales zufallen, will ihr Personaltableau erst nächste Woche abschließen.