Beatrix von Storch hat Pech. Eins ihrer Wahlplakate vor dem Berliner S-Bahnhof Alexanderplatz hängt etwas niedriger als die anderen an den Nachbarlaternen. Prompt hat ein vermeintlicher Witzbold einen Kaugummi so in ihrem Gesicht platziert, dass es von Weitem aussieht, als habe sich die Nr. Zwei auf der Landesliste der „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Berlin die Nase nicht ordentlich geputzt.

Derlei mehr oder weniger harmlosen Verunstaltungen politischer Kommunikationsbemühungen kommen in Wahlkämpfen immer wieder vor. Auch Angela Merkel wird davon nicht verschont bleiben, wenn „Mutti“ erst einmal flächendeckend auf ihre Landeskinder herab lächelt. Beatrix von Storchs Partei beklagt jedoch Schlimmeres. Im „gesamten Bundesgebiet“ komme es immer wieder zu Zerstörungen ihrer Wahlkampfplakaten und zu Übergriffen auf die Wahlkampfhelfer, heißt es in einer Erklärung des Parteivorstands.

Bundesweite „Pöbeleien“ gegen AfD-Wahlkampfhelfer

In Berlin sind laut AfD mit ihren Werbemitteln beladene Transporter mit Steinen beworfen und zahlreiche Wahlkampfplakate abgerissen worden. In Kreuzberg hätten Wahlkämpfer ihre Aktion abgebrochen, weil sie mit Gewalt bedroht worden seien. Vandalismus an ihren Plakaten und „Pöbeleien“ gegenüber ihren Wahlkämpfern meldet die Partei auch aus Gießen, Lübeck, Lüneburg und Nürnberg. Parteichef Bernd Lucke nennt die Vorkommnisse „eine Ohrfeige für jeden Demokraten“.

Besonders heftig umstritten ist das Auftreten der Partei in der niedersächsischen Universitätsstadt Göttingen, wo es eine lange Tradition nicht immer nur gewaltfreier Protestaktionen der linken Szene gibt. Hier kam es am vergangenen Wochenende in der Fußgängerzone zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen rund 20 Anti-AfD-Demonstranten und der Polizei. Die Aktion der Kampagne „Alles muss man selber machen“ wurde von der Grünen Jugend in Göttingen unterstützt. Mehrfach wurde die Parole „Nazis raus“ gerufen. Frauke Petry, Luckes Mit-Sprecherin an der AfD-Spitze fühlte sich daraufhin „an die schlimmsten Zeiten der Weimarer Republik“ erinnert.

„Offenkundiges Abgrenzungsproblem nach rechts“

Die AfD forderte den Spitzenkandidaten der Grünen, Jürgen Trittin, der in Göttingen zu Hause ist und hier seinen Bundestagswahlkreis hat, auf, sich von den Aktionen der lokalen Jugendorganisation seiner Partei zu distanzieren. Auf Anfrage der „Berliner Zeitung“ lehnte Trittin eine Stellungnahme ab und verwies auf einen Beschluss des Göttinger Kreisvorstandes seiner Partei. Darin wird der AfD in Göttingen „ein offenkundiges Abgrenzungsproblem nach rechts“ vorgeworfen. Demonstrationen seien daher legitim. Die Grünen lehnten jedoch „jegliche Zerstörung des Eigentums der AfD strikt ab“. Demokratische Spielregeln müssten eingehalten werden“. Mehr sei dazu nicht zusagen, ließ Trittin ausrichten.

Die Grüne Jugend schlägt einen schärferen Ton an. Die AfD hat nach ihrer Ansicht nicht nur ein Problem mit „neonazistischen Einzelpersonen“, sondern sei auch „gesamtstrukturell eine Partei des rechten Spektrums“. Wer nationales Überlegenheitsdenken und Ressentiments gegen andere Länder schüre, müsse sich nicht wundern, „von Nazis durchsetzt zu sein“.

Konkret wirft sie zwei Kreisvorstandsmitgliedern der Göttinger AfD rechtsradikale Umtriebe vor. So habe der 19-jährige Schatzmeister des Kreisverbandes Lennard Rudolph Anti-Atom-Demonstranten tätlich angegriffen und auf Facebook ein Bild gepostet, auf dem er mit Hitlergruß zu sehen ist. Der Beschuldigte bezeichnet das Dokument als Montage und hat es inzwischen gelöscht. Nach Darstellung der Demonstranten hat der stellvertretende Kreisvorsitzende Lars Steinke auf Facebook rechte Seiten mit „Gefällt mir“ markiert. Auch diese Hinweise sind inzwischen jedoch gelöscht.

Kritik gibt es aber auch innerhalb der Göttinger AfD. So ist Kreisvorstandsmitglied Klaas Otte aus dem Gremium ausgeschieden, weil dort Mitglieder aktiv seien, die „den Eindruck erwecken, mit rechtem Gedankengut zu sympathisieren“.