BERLIN. Benjamin Richter ist traurig. "Ich hatte wirklich gedacht, die ÜberPartei Deutschland (ÜPD) schafft es diesmal", sagt der Schatzmeister mit der Punkfrisur. Seine Partei demonstriere gegen McDonald's, Überwachung und überzeuge "durch Aufrichtigkeit". An diesem Freitag bringt ihm das zumindest Sympathisanten: Vom Vorsitzenden der Anarchistischen Pogo-Partei (APPD), Volker Stoi, gibt es eine tröstende Umarmung. Der Bundeswahlausschuss lehnt beide Parteien "wegen mangelnder Organisationsstruktur" ab.So wie den linken Aktivisten erging es gestern 30 der 51 angemeldeten politischen Vereinigungen. Unter der Leitung von Roderich Egeler beriet der Wahlausschuss vier Stunden lang über ihre Zulassung zur Bundestagswahl. Wer während der letzten Legislatur nicht mit mindestens fünf Abgeordneten im Bundestag oder Landtag vertreten war, musste dafür zahlreiche Kriterien erfüllen - etwa Nachweise über Rückhalt in der Bevölkerung.Ex-Titanic-Chef widersprichtNeben Rentnern und Tierschützern freuten sich auch die Piratenpartei sowie Gabriele Pauli mit der neu gegründeten Freien Union über eine Zusage. Der Erfolg der Piraten war nach der Europawahl vorauszusehen: "Unser dortiges Ergebnis von 0,9 Prozent werden wir sicher noch weit übertreffen", sagte Parteivorstandsmitglied Aaron Koenig. Die Netzfreibeuter haben inzwischen 16 Landesverbände und rund 4 400 Mitglieder. Bisher hatten sie sich nur an Landtagswahlen in Hessen und Hamburg beteiligt.Abgelehnt wurden mehrere Spaßparteien wie die Plakatkünstler der Bergpartei und die PARTEI von Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn. "Wir werden definitiv Einspruch dagegen einlegen", sagte der Satiriker. Ein Ziel seiner Partei ist der Wiederaufbau der Mauer.Bei der letzten Bundestagswahl erreichten Splitterparteien insgesamt vier Prozent der Stimmen. Damals durften PARTEI und APPD noch antreten. Inzwischen seien aber auch einige Landesverbände "im Untergrund", sagte Volker Stoi.