FRANKFURT (ODER). Ohne größere Störungen verlief das Bundeswehr-Gelöbnis, zu dem am Sonnabend auch Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping nach Frankfurt (Oder) gekommen war. 718 Rekruten gelobten auf dem Marktplatz, "der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen". Etwa 3 000 Angehörige, Einwohner und Ehrengäste verfolgten die Zeremonie in dem von 500 Feldjägern stark kontrollierten Bereich zwischen Rathaus und Marienkirche. An der Veranstaltung nahmen auch der stellvertretende Ministerpräsident Jörg Schönbohm (CDU) und der Bundeswehr-Generalinspekteur Hans-Peter von Kirchbach teil.Junge Union demonstrierte auchDemonstranten störten die Veranstaltung durch "Mörder"-Rufe und Pfiffe und entrollten Transparente, auf denen "Tucholsky hat doch Recht" oder "Frieden schaffen ohne Waffen" stand. Zwei Gelöbnis-Gegner hatten sich per Einstweiliger Verfügung des Amtsgerichts den zuvor verwehrten Zutritt zum abgesperrten Areal erstritten. "Trotz der Auflage, dass das Tucholsky-Transparent zu dulden ist, haben es Feldjäger gewaltsam entfernt", sagt Gelöbnis-Gegner Christian Gehlsen. "Das hat uns sehr schockiert." Für Irritationen sorgte auch elektronisches Vogelgezwitscher, das aus der Fassade der Rathaushalle erklang. Feldjäger der Bundeswehr versuchten vergeblich, die Störquelle zu lokalisieren und zu beseitigen.Die Polizei sprach 14 Platzverweise aus und nahm sechs Personen in Gewahrsam. Nicht behelligt wurden dagegen Mitglieder der Jungen Union, die bei dem Gelöbnis ein Transparent mit der Aufschrift "Wir stehen zu Euch" hochhielten. Das Gelöbnis war in der Oderstadt stark umstritten gewesen. Noch im vergangenen Jahr hatte es der Hauptausschuss wegen grundsätzlicher Vorbehalte abgelehnt, die Bundeswehr einzuladen. Das brachte die Stadt bundesweit in die Negativ-Schlagzeilen: Schließlich hatten im Sommer 1997 insgesamt 30 000 Bundeswehr-Soldaten gegen das Oderhochwasser gekämpft auch in Frankfurt. Politiker rügten nach der Absage die Undankbarkeit der Stadt. Daraufhin lud Oberbürgermeister Wolfgang Pohl (SPD) die Bundeswehr persönlich für ein Gelöbnis nach Frankfurt ein. "Ich habe mich sehr gefreut, dass die ursprüngliche Entscheidung korrigiert wurde", sagte Verteidigungsminister Scharping am Sonnabend.Das ging nicht allen so: Im Vorfeld forderten 23 Stadtverordnete in einem offenen Brief den Oberbürgermeister auf, dafür zu sorgen, dass während des Gelöbnisses "Minderheitenpositionen in Form stillen und zivilen Protestes ohne Behinderung zugelassen werden". Opposition vereidigt Straßenkegel Vor dem militärischen Zeremoniell veranstalteten dessen Gegner denn auch ein "Fest der Gelöbnis-Opposition". Etwa 100 Menschen waren dazu auf den Vorplatz des ehemaligen "Horten"-Kaufhauses gekommen und ließen dort 99 Luftballons steigen oder beobachteten das "Spaßgelöbnis", bei dem zwei Dutzend selbst gebastelte Baustellenkegel auf die Straßenverkehrsordnung vereidigt wurden. Die Veranstalter kritisierten die "Militarisierung des öffentlichen Raumes" und die starken Sicherheitsvorkehrungen. Der ehemalige PDS-Landtagsabgeordnete Christian Gehlsen nannte das Gelöbnis eine "Opferveranstaltung für den Kriegsgott".Diese Ansicht teilten die meisten Besucher der Bundeswehr-Veranstaltung nicht: Einige wippten beispielsweise im Takt mit, als das Repräsentationsorchester aus dem polnischen Wroclaw (Breslau) zu seiner Swing-Musik über den Platz tänzelte.REKRUTEN Schlachtruf "Panzer hurra!" // Die 718 Rekruten leisten seit September ihren Wehrdienst in Brandenburg (Havel), Brück, Lehnitz, Geltow und Berlin.Mit ihrem Schlachtruf traten die sechs Einheiten nach dem Gelöbnis vom Frankfurter Marktplatz ab."Dran, drauf, drüber" riefen beispielsweise die Panzergrenadiere, "Panzer hurra!" die Rekruten vom Bataillon 423.