Hannover - Die Aussage der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihres Ehemannes, des Verlegers Hubert Burda, im Korruptionsprozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und den Filmmanager David Groenewold hat zur Aufklärung kaum etwas beigetragen. Beide bestätigten am fünften Prozesstag am Donnerstag in Hannover den gemeinsamen Besuch des Oktoberfestes im September 2008. An Einzelheiten konnten sie sich aber nicht erinnern.

Die Münchenvisite des Ehepaares Christian und Bettina Wulff mit Sohn Linus steht im Mittelpunkt der Anklage. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat Groenewold Unkosten der Familie Wulff in Höhe von 700 Euro bezahlt, Teile der Hotelrechnung, ein Kindermädchen und den Oktoberfestbesuch. Die Anklage lautet auf Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Wulff soll sich im Gegenzug beim Siemens-Konzern für finanzielle Unterstützung eines Filmprojekts von Groenewold eingesetzt haben.

Das Ehepaar Burda und Furtwängler konnte sich bei der Befragung in Hannover nicht mehr an das damalige Konsumverhalten Wulffs erinnern. „Das weiß ich beim besten Willen nicht mehr“, sagte Furtwängler auf entsprechende Nachfragen des Vorsitzenden Richters der Zweiten Großen Strafkammer, Frank Rosenow.

Furtwängler hatte Wulff nach eigenen Angaben Monate zuvor bei einem privaten Abendessen in dessen Wohnung erstmals getroffen: „Der Ministerpräsident wollte gerne die Tatort-Kommissarin kennen lernen. „ Es sei ein „sehr nette Einladung“ gewesen. Bei der Gelegenheit sei auch die gemeinsame Teilnahme an dem Oktoberfestbesuch verabredet worden.

Bei der Begegnung mit Wulff in München nutzte Furtwänglers Ehemann Burda hat nach eigenen Angaben die Gelegenheit, Wulff über die Gefahren des damals geplanten Ausbaus der Onlineberichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten für die Zeitschriften in Deutschland aufzuklären. Zwar habe Wulff ein ursprünglich im Hotel „Bayerischer Hof“ geplantes Treffen am frühen Abend dazu kurzfristig abgesagt. Aber man habe dann auf dem Oktoberfest zu diesem Thema vier oder fünf Sätze gewechselt, sagte Burda: „Der Wulff hat es gleich kapiert.“

Burda wusste nach eigener Aussage nicht, dass Groenewold der Gastgeber des abendlichen Treffens im Zelt des Feinkostherstellers Käfer auf dem Oktoberfest war. Zum Besuch des Oktoberfestes wurde am Donnerstag auch eine Freundin Groenewolds gehört, die ebenfalls dabei war.

Wulff war am 17. Februar 2012 zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsverdachts eingeleitet hatte. Der Vorsitzende Richter Rosenow kündigte am Donnerstag an, das Gericht wolle am 19. Dezember eine Art Zwischenbilanz des Prozesses ziehen. Terminiert sind bislang insgesamt mehr als 20 Prozesstage bis in den April 2014. (afp)