Unterschiedlicher in Sachen Flughäfen können die beiden Meinungen nicht sein: Der scheidende Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) Hanns Peter Nerger will den Flughafen Tempelhof offenhalten; sein gestern vorgestellter Nachfolger Burkhard Kieker hat sich als bisheriger Marketing-Leiter der Flughäfen und Flughafenmanager dagegen ausgesprochen. Nerger und Kieker nehmen solche Dinge mit Humor. "Wir setzen beide unseren Informationsflug mit unterschiedlichen Positionen fort", sagte Kieker. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) erinnerte daran, dass beim Amtsantritt des 47-Jährigen im Januar 2009 Tempelhof längst geschlossen sei.Der BTM-Aufsichtsrat hat sich einstimmig zuletzt unter vier Bewerbern für Kieker entschieden. Der Vater von zwei Kindern, der seine Karriere als Journalist bei der ZEIT und der Deutschen Welle startete, gilt als ausgesprochen versiert. Begonnen hat Kieker seine Tätigkeit beim Airport Berlin Brandenburg International (BBI) 1997 - zunächst als Projektsprecher. Als Leiter der Marketing-Abteilung seit 2003 sagen Kenner ihm nach, dass Kieker das "Klinkenputzen" sehr liege. Ohne großen öffentlichen Aufwand machte sich Kieker immer wieder bei Flughafengesellschaften dafür stark, Berlin als Destination auch für Intercontinental-Flüge auszuwählen. Dafür reiste er unter anderem in den Fernen Osten, etwa nach Peking und Hongkong. An den Berliner Flughäfen muss sich Kieker schon heute um rund 60 Fluggesellschaften kümmern.Dass der Flughafen-Manager Kieker der neuen Aufgabe als BTM-Chef gewachsen ist, unterstrich Senator Wolf. Als Flughafenmanager sei Kieker der BTM bereits ein langjähriger Weggefährte gewesen. "Der BBI wächst am schnellsten unter allen Flughäfen in Deutschland", so Wolf. Und der Tourismus entwickele sich nicht unabhängig von den Flughäfen. Was nutze schließlich eine attraktive Stadt, wenn keiner hinkommen könne.Allerdings habe Nerger, so Senator Wolf, für den Amtsnachfolger "die Latte sehr hoch gehängt". Der Tourismus sei unter seiner langjährigen Leitung eine "große Erfolgsstory" gewesen und habe sich "famos" entwickelt. Seit 1993 ist die Zahl der Übernachtungen von 7,2 Millionen auf inzwischen 17,3 Millionen gestiegen. Bis 2010 soll die Marke bei zwanzig Millionen liegen. Auch die Umsätze sind im Berlin-Tourismus innerhalb von zehn Jahren von 3,4 Milliarden (1995) um mehr als das Doppelte auf heute 8,4 Milliarden Euro gestiegen. Rund 255 000 Beschäftigte leben vom Tourismus. "Es gilt, diese erfolgreiche Arbeit fortzusetzen", sagte Kieker. Ein Schwerpunkt könne sein, als Gäste die chinesische und indische Mittelschicht zu gewinnen. Dietmar Otremba, Aufsichtsratsvorsitzender der BTM, wünschte sich auch, den weiteren Tourismus-Ausbau durch das Messe- und Kongresswesen zu ergänzen. Der Vertrag mit Kieker läuft, wie es hieß, drei bis fünf Jahre.Nerger geht mit seiner Ablösung auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Ab 1. Dezember will Nerger seinen Nachfolger in die Arbeit einweisen.------------------------------Foto: Amtswechsel: Burkhard Kieker (l.) wird als Tourismus-Chef Nachfolger von Hanns Peter Nerger.------------------------------Foto: Zu Besuch in Berlin: Seit Jahren steigen wieder die Touristenzahlen. Der Reichstag ist bei den Gästen sehr beliebt.