Gedeckte Kleidung, Aluminiumkoffer. Burghart Klaußner sieht aus wie ein Geschäftsreisender mit wichtigem Auftrag. In der Deutschen Filmakademie in der Köthener Straße legt er einen Zwischenstopp ein und nimmt sich Zeit für ein Gespräch am langen Konferenztisch. Es gibt Hähnchenspieße und Tabouleh, was Klaußner gerne mag.Herr Klaußner, dieses Jahr sind Sie in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" für Ihre Rolle in Michael Hanekes Film "Das weiße Band" für den Deutschen Filmpreis nominiert. Zugleich sind Sie gerade in den Vorstand der Filmakademie berufen worden. Geht das überhaupt zusammen? Die Filmakademie verleiht ja auch den Filmpreis.Da müssen wir ja bei null anfangen! Der Vorstand ist doch nicht die Jury. Nein, die Nominierungen kommen von den jeweiligen Sektionen. Die Schauspieler werden von den Schauspielern nominiert. Das heißt, man ist unter Kollegen ausgewählt, von Kollegen. Das ist doch nett.Was bedeutet Ihnen der Vorstands-Posten?Ich als Vorstandsmitglied, das klingt ja ein wenig lächerlich. Der Bayer würde sagen, das ist a Papperl.Ein Etikett. Jetzt kommt doch ein bisschen Gräfelfing bei Ihnen durch, der Vorort von München, in dem Sie zehn Jahre gelebt haben als Kind.Man kann mein Bayerisch sofort aufrufen. Das dauert keine Millisekunde. Das musste ich damals nämlich so schnell wie möglich lernen, sonst hätten die mich fertiggemacht, als Berliner. Heute ist das anders. Es wird viel mehr Hochdeutsch gesprochen in München als in den Sechzigerjahren.Gibt es ein gemeinsames Feindbild in der Deutschen Filmakademie?Sie meinen, ohne Feindbild geht's nicht?Ich denke an die Kritiker.Ja, das schien eine Zeit lang mal so. Ich persönlich fand das immer albern. Ich muss auch sagen, dass sich für einen als Schauspieler, der von gewissen Vorgängen in der Produktion verschont wird, also dort, wo Leute den Kopf hinhalten müssen für Geld, manches anders darstellt. Es gibt in dieser Branche zwei manchmal einander widersprechende, im besten Fall zusammenkommende Interessen - das Kommerzielle und das Künstlerische. Als Künstler habe ich gelernt, mit Kritikern zu leben. Wenn sie dumm sind, sind sie dumm. Wenn sie klug sind, sind sie klug. Man muss es so nehmen, wie es kommt, wie's Wetter. Aber für die Produzenten hängt ja an einer Kritik möglicherweise auch mehr als für einen Schauspieler, obwohl Kritiker Schauspieler-Karrieren auch kaputtmachen können, keine Frage. Ich weiß es vom Theater, da habe ich in früheren Jahren schon ab und zu mal gewaltig einen auf den Deckel gekriegt. Damit muss man leben. Aber eine Konkurrenz gibt es. Das amerikanische Kino. Wir befinden uns in einer wirtschaftlichen Konkurrenz. Ich kann mir vorstellen, dass man für den deutschen Film noch etwas tun kann, als Akademie.Indem man Quoten für den deutschen Film festlegt - wie es in Frankreich für französische Filme in den Kinos getan wird?Ja, dort wird es so gemacht. Das halte ich für bedenklich und dirigistisch. Ein kleiner Schritt wäre es, die Allianz zwischen den Kinos und den Schauspielern zu stärken. Schauspieler sollten ruhig öfter in Theatern auftauchen und über die Filme mit dem Publikum sprechen. Wir arbeiten ja nicht auf der Insel der Seligen und können es nicht nur den Filmtheatern überlassen, die Kurbel zu drehen.Das Jahr 2009 war ein sehr schlechtes Jahr für die Kinos, vor allem für solche, die anspruchsvolle Filme zeigen. Viele Leute leihen sich lieber für wenig Geld eine DVD aus und gucken die auf den inzwischen riesigen Flachbildschirmen zu Hause an. Geht in Zukunft überhaupt noch jemand ins Kino?Ich weiß noch nicht genau, wie ich das sehen soll. Es ist natürlich klar: Kaum hat das Kino 3-D entdeckt, gibt es auch schon die ersten 3-D-Fernseher. Die Technologie versucht, hinterherzukommen, aber ich glaube, dass man auf das Erlebnis, in einem großen Haufen Emotionen zu teilen nicht verzichten kann. Ich war vor Kurzem in dem bemerkenswerten französischen Film "Un prophète". Er war einer unserer Hauptkonkurrenten bei der Verleihung des Auslands-Oscars. Der Film ist dann auch nicht bedacht worden, was kein Wunder ist, wenn man weiß, wie sich das Wahlgremium dort zusammensetzt. Macht aber nichts. Diesen Film alleine anzuschauen, hätte mir etwas genommen. Ich habe mich also im Gefängnis des Kinos als Insasse eines Gefängnisfilms viel wohler gefühlt als mit der Pause-Taste und dem Bierholer-Bonus. Es dauert ganz lange, bis man verstanden hat, wo der Film hingeht, es ist ein enormer Lustgewinn, dass man dabei in so eine Rätselkammer gesperrt wird. Man begreift die Erziehung zur Gewalt, die diesem Jungen im Gefängnis zuteil wird.Haben Sie sich nach "Un prophète" auch gefragt, warum ein Film von dieser Qualität über das Thema Gefängnis nicht in Deutschland entsteht?Eine mögliche Antwort ist, dass es dieses Sujet, so wie in diesem Film abgehandelt, bei uns nicht gibt: die Konkurrenz zwischen Migranten, die schon lange im Land sind. Die Kultur der arabischen Einwanderer ist in Frankreich vielfältiger als etwa die der Türken in Deutschland. Es gibt eine ausgefächerte Parallelgesellschaft, die zu einem größeren Konfliktpotenzial geführt hat als bei uns - bis jetzt. Denken Sie an die Randale in den französischen Banlieues, in den Vorstädten, wo in erster Linie Migrantenkinder aktiv geworden sind. Aber trotzdem ist Ihre Frage natürlich richtig, und ich habe sie mir nach dem Film auch gestellt. Ist ja klar: Wenn irgendwo ein toller Erfolg auftaucht, wollen wir das sofort auch haben. Ich glaube, es ist immer auch eine Frage der Ausbildung. In Deutschland gibt es keine Filmklassen bereits in der Schule. Wie in Frankreich, wo Film zum Unterrichtsstoff gehört. Trotzdem ist es viel besser geworden bei uns. Was aus den Filmschulen geworden ist, ist bemerkenswert. Es gibt wieder großartige junge und jüngere Filmemacher in Deutschland.Sie sind spät zum Kino gekommen. Woran lag das?Ich bin in vieler Hinsicht ein Spätentwickler. Das fing schon damit an, dass ich nicht aus einer Künstlerfamilie kam. Nach dem Schauspielstudium habe ich Theater gespielt. Das Kino war unendlich weit weg. Ich musste viel Ballast abwerfen im Lauf der Jahre, und ich habe mir, da ich ja mitten in eine Rabauken-Zeit hineingewachsen bin, auch nichts sagen lassen wollen. Das ist mir geblieben: Ich lasse mir nicht gern Vorschriften machen.Sie haben oft Figuren gespielt, die Schwierigkeiten hatten, ihre Emotionen zu zeigen.In welchen Rollen jetzt. In allen? Wollen Sie das sagen?Es sind Figuren, die verhalten sind, in denen sich innerlich viel mehr abspielt, als nach außen tritt.Das ist doch schön, wenn's gut geht.Das muss schwer zu spielen sein.Was heißt schon, schwer zu spielen. Wenn man immer alles mit Schreien und Körperlichkeit veräußerlichen würde, dann wären wir arm dran. Dann würden wir schnell die Klappe zumachen. Das wäre langweilig. Leidenschaft kann nicht immer nur ausgedrückt werden durch exzessive Körperlichkeit. Da gibt es auch andere Methoden. Oft ist es die Verbindung von beidem. Und es ist von Aufgabe zu Aufgabe verschieden. Da bin ich ja verblüfft, dass Sie glauben, ich sei ein emotionslos einzusetzender Schauspieler. Wenn Sie "Kinderspiele" von Wolfgang Becker nehmen, einen Film, der für eine Generation von jungen Filmemachern entscheidend war, und der auch für meine Laufbahn von großer Wichtigkeit war . na ja.In "Kinderspiele" spielen Sie einen prügelnden Vater.Ja, wieder mal, könnte man fast sagen. Aber dieser tut es nicht aus einer Erziehungshaltung heraus, sondern aus reiner Hilflosigkeit. Aus Ich-Schwäche.Habe ich Sie jetzt wirklich getroffen? Ich habe Sie doch nicht als emotionslos bezeichnet. Es ging nur um die Figuren, die nicht so viel Emotion nach außen dringen lassen.Verstehe. Vertrocknung und Langeweile wollen wir naturgemäß vermeiden, wissen Sie.Ich glaube, ich habe es verstanden. Aber Ihre Angst ist größer als meine Unterstellung.Ohne einen tiefen Fundus an Emotionalität, sei sie körperlicher oder sublimierter Art, ist der Beruf in keiner Sekunde ausführbar.Ich bin jetzt am besten still.Nein, nein. Aber eins ist doch klar: Man braucht Emotionen, um einen Menschen zu spielen, der mit seinen Emotionen Probleme hat, und man braucht Emotionen, um einen Menschen zu spielen, der mit seinen Emotionen keine Probleme hat. Was ist denn nun Emotion? Interessant, auch schon wieder. Kommt von Bewegung, lateinisch movere.Man sieht diese Bewegung etwa im Gesicht des Pfarrers in "Das weiße Band", als ihm sein jüngster Sohn einen kleinen Vogel schenkt. Da leuchtet sein Gesicht plötzlich auf. Haben Sie die Szene nur einmal gedreht?Ich weiß es nicht mehr genau. Vielleicht waren es zwei, drei Aufnahmen, öfter sicher nicht. Ich habe jedenfalls keine Erinnerung an eine Schinderei.Als der Vogel tot ist, wiederholt sich die Szene fast.Ja, die Tierliebe der Deutschen. Das sind oft Ersatzobjekte.Sie haben den strengen Pfarrer einmal als einen großen Liebenden bezeichnet, was zunächst paradox erscheint.Ja. Denken Sie an die Szene, in der er über das Masturbationsverbot spricht. Da sagt er zu seinem Sohn: "Ich liebe dich aus ganzem Herzen. Sei aufrichtig. Machst du das?" Dieser Vater, der Pfarrer, sagt das, weil er glaubt zu wissen, dass Masturbation seinen Sohn nachhaltig schädigen wird. Die Liebe gebietet es diesem Vater, dem Sohn die Hände ans Bett zu fesseln. Das ist die herkömmliche Denkweise von Erziehung bis auf den heutigen Tag in vielen Momenten. Wir wissen viel zu wenig von Erziehung.Im Fernsehen treten irgendwelche Nannys auf, die gebildeteren Schichten glauben, mehr zu wissen, mal geht es gut, mal geht es schlecht, der eine missrät, der andere gelingt - man kann, glaube ich, Verschiedenes nur für sich selbst entscheiden: Will man eine harte Erziehung an den Tag legen im Glauben, dass Härte hart macht, also widerstandsfähig, oder ist einem der Akt der Härte im Erziehen schon so zuwider, dass man darauf verzichtet und lieber ein paar Unwägbarkeiten in Kauf nimmt durch den Ersatz von Ge walt durch Liebe. Dann gibt es ja noch andere Eigenschaften: zum Beispiel Großzügigkeit. Oder Engherzigkeit. Ich habe irgendwann in meinem Leben kapiert, was Großzügigkeit ist, und von dem Tag an war ich großzügig. Ich bin das wahnsinnig gerne, ich genieße es. Ich hab es mir beigebracht. Es ist im Grunde auch ein Erziehungsprojekt.Was ist Großzügigkeit für Sie, und wo haben Sie sie beobachtet?Das kann ich Ihnen ganz konkret sagen: Es war für mich verblüffend zu sehen, dass der Theaterregisseur Werner Düggelin, mit dem ich in Zürich in den Neunzigerjahren mehrfach gearbeitet habe, es zu keiner Gelegenheit zugelassen hat, dass irgendjemand, der mit ihm am Tisch sitzt, irgendetwas bezahlt. Ich fand das erst ein bisschen beschämend - für die Eingeladenen - dann fand ich es verblüffend, dann fand ich es herrisch, und dann fand ich es großzügig. Und damit charmant. Das hat mich beeindruckt.Sie halten die Zigarette schon lange in der Hand. Rauchen Sie doch bitte.Habe ich denn das vor? Ich wollte das ja gar nicht. Aber Sie haben nichts dagegen?Nein. Sie rauchen doch zurzeit auch als König Philipp II. in der Inszenierung des "Don Carlos" in Dresden auf der Bühne.Ja, Kräuterzigaretten. Wegen der Gesundheitsgefahr. Die schmecken nach nichts. Also die sind wirklich streng in Sachsen, aber ich will das nicht weiter kommentieren, das wäre ja kleinlich!!So, wie Sie Großzügigkeit verstehen, hat sie viel mit Gastfreundschaft zu tun.Ja, mein Vater war ja Gastwirt. Und da ist mir plötzlich einiges klar geworden, auch im Nachhinein. Mein Großvater und mein Urgroßvater waren es auch schon. Und neulich habe ich die werten Anverwandten in dem Ursprungsdorf Röckendorf bei Erlangen besucht, das ist ein Dorf, da gibt es neun Klaußners auf engstem Raum und der Friedhof ist voller Klaußners. Da gab es auch allein unter den wenigen schon zwei Gastwirtschaften. Also irgendwas liegt da noch weiter zurück in den Genen, Gastfreundschaft finde ich nicht die schlechteste Eigenschaft. Es gibt Verbindungen zum Theater: Der Theaterintendant ist doch eigentlich ein Gastwirt. Da geht es darum, Leute hereinzubitten - von der einen Seite kommt das Publikum. Durch die andere Tür treten die Künstler in den Raum. Der Intendant macht die Gäste miteinander bekannt, und dann geht es los. Gastwirtsaspekte sind lebensfrohe, bejahende Aspekte. (Geht ans Fenster.) Heute ist ein ausnehmend schönes Wetter. Die Sonne ist ja auch so etwas Großzügiges, ich möchte, glaube ich, irgendwann noch mal endgültig in die Sonne. So heißt es doch schon am Ende in Ibsens "Gespenster", wenn der Sohn verrückt wird, sagt er: "Mutter, gib mir die Sonne."Wünschen Sie sich mehr Licht?Das ist doch toll - das Licht und wir als Lichtspieler. Ich war gestern im Film- und Fernsehmuseum und habe mir frühe Dokumentationen angesehen. Michael Haneke hat recht, dass das Schwarz-Weiße uns ein Fenster in die Geschichte öffnet. Er sagt, die Zeit, in der "Das weiße Band" spielt, kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs, könne er sich immer nur in Schwarz-Weiß vorstellen. Ich finde das schlagend. Das fotografische Element, das der Film durch den Schwarz-Weiß-Gestus bekommt, das konstatierende Moment, hat natürlich auch etwas Dogmatisches. Es ist ja ein Hauptspaß, Dogmatiker zu sein für Momente. Man muss nur immer wieder in der Lage sein, das Dogma über Bord zu werfen, aber ohne Dogma geht es nicht. Mich interessiert beim Betrachten historischer Filme immer eines: Wie haben die dort gezeigten Menschen sich in dem Moment gefühlt, was haben sie gedacht, wie ist es ihnen gegangen. Wenn ich ein Foto betrachte, und ich liebe Fotobände, dann versuche ich, da hineinzumarschieren. Ich habe aus Fotos viel gelernt.Sind es alte Familienfotos, die Sie betrachten?Nein, die interessieren mich nicht so sehr. Es ist das Fremde. Das fremde Gesicht. Sowieso ist der fremde Mensch für mich faszinierend. Ich fange sofort an, mir Biografien vorzustellen, nach all den Jahren kann man sich dabei ein bisschen auf sein Gespür verlassen, nur muss man sich hüten vor Vorurteilen. In den Rollen dem anderen auf die Spur kommen, das ist die spannende Aufgabe.Sie arbeiten gerne mit jungen Regisseuren. Mit Hans Weingartner, Hans-Christian Schmid.Hans-Christian Schmid ist für mich einer der größten unserer Regisseure. "Sturm" ist ein Meisterwerk und hatte nur 40 000 Zuschauer in Deutschland, die Zahl wurde sogar von Frankreich übertroffen mit 50 000 Zuschauern. So etwas ist eine Tragödie."Sturm" lief letztes Jahr im Wettbewerb der Berlinale und hat dort keine Auszeichnung bekommen.Er hätte etwas gewinnen müssen, das war ein Irrtum. Bedauerlich.Es hat dem Erfolg des Films geschadet.Nein, das ist nicht der Grund: Es ist dasselbe wie bei Schmids Film "Requiem" und trotz aller Erfolge auch dasselbe wie bei "Das weiße Band": Die Menschen, die potenziellen Zuschauer, haben Angst, sie könnten sich zu sehr belastet fühlen vom Stoff. Das ist ein alter Konflikt. Der ist so alt wie die Kunstgeschichte. Es gibt Sujets, die sind belastend und anstrengend, aber sie sind eben auch reinigend und läuternd.Liegt es nicht auch an fünfundzwanzig Jahren Privatfernsehen? Alle wollen nur noch entertained werden. Filme müssen ins Werbeumfeld passen.Na ja, kein so neues Phänomen. Aber selbstverständlich haben in diesem Punkt die öffentlich-rechtlichen Sender einen Auftrag. Es muss einfach klar sein, dass der Auftrag - und dafür kriegen sie ja auch Gebühren - nicht noch in der Unterbietung von Blödsinn liegt. Sie sollen auch anspruchsvolle Filme produzieren. Das passiert ja auch, aber nicht in ausreichendem Maß. Gerade wurde in der ARD ein Film über den Genozid an den Armeniern gesendet, "Aghet - ein Völkermord", gedreht vom Regisseur Eric Friedler. Er hat eine ganze Reihe von Schauspielern, auch mich, gebeten, als historische Figuren Statements vorzutragen, ohne zu spielen, ohne Kostüm. Solche Beiträge sind unverzichtbar in ihrer Brisanz. Und einen Tag nach dieser Sendung stürzt die polnische Elite mit dem Flugzeug in Russland ab, ausgerechnet auf dem Weg nach Katyn. Deutschland hat ja die Aufteilung Polens 1940 auch mit zu verantworten und damit auch das sich anschließende Stalin'sche Massaker in Katyn. Endlich gab es diese Hoffnung auf Versöhnung zwischen Russen und Polen und jetzt dieses Unglück. Das machte mich sehr betroffen. Ich habe Blumen ins Polnische Kulturinstitut gebracht. Ich fühlte mich dazu aufgerufen.------------------------------Burghart Klaußner"Zum Klaußner" hieß die Gaststätte, die Burghart Klaußners Vater in Berlin betrieb. Burghart Klaußner wurde 1949 geboren, 1961 zog die Familie aus Berlin nach Gräfelfing bei München.Nach dem Abitur in Gräfelfing und zwei Semestern Germanistik besuchte Klaußner die Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin.Er spielt bis heute an Theaterbühnen in ganz Deutschland und führt auch Regie. Seit den frühen Achtzigerjahren trat er zunehmend in Filmen auf, zunächst im Fernsehen, wo er zum Beispiel mit seiner Darstellung Björn Engholms in "Einmal Macht und zurück" auffiel.Im Kino war Klaußner unter anderem zu sehen in "Goodbye, Lenin!" (2002), "Die fetten Jahre sind vorbei" (2004), "Requiem" (2005), "Yella" (2007) und zuletzt in "Das weiße Band".Er ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Filmakademie, die am 23. April den Deutschen Filmpreis vergibt. Die Filmakademie wurde im Jahr 2003 gegründet, sie hat 1 100 Mitglieder aus allen Bereichen der Filmbranche. Ziel ist, die Interessen des deutschen Films zu vertreten und ein Forum für die Filmschaffenden zu sein.------------------------------Ich bin ja mitten in eine Rabauken-Zeit hineingewachsen und habe mir auch nichts sagen lassen wollen. Das ist geblieben: Ich lasse mir nicht gern Vorschriften machen.------------------------------Foto: Burghart Klaußner im Berliner Hotel de Rome vor Stefan Hoenerlohs Gemälde "Mensch im Holozän"