WASHINGTON, 16. Februar. Der Regierungswechsel in Washington könnte für den gegen seine Zerschlagung kämpfenden US-Softwareriesen Microsoft die ersehnte Rettung bringen: Vier Wochen nach der Amtsübernahme durch Präsident George W. Bush berief US-Justizminister John Ashcroft mit dem Anwalt Charles James einen Microsoft-freundlichen Juristen zum obersten Wettbewerbshüter der Vereinigten Staaten. Der 46-Jährige hatte zuvor keinen Zweifel daran gelassen, dass er den Softwaregiganten als Einheit erhalten möchte. Jetzt steht er an der Spitze ausgerechnet der Behörde, die den Widerstand der US-Regierung und von inzwischen noch 17 Bundesstaaten gegen den Konzern von Microsoft-Gründer Bill Gates anführen soll. Schwelender RechtsstreitDrei Jahre nach dem Beginn des spektakulären Kartellrechtsprozesses steigen damit die Chancen für eine gütliche Einigung im noch immer schwelenden Rechtsstreit. Der strenge US-Bundesrichter Thomas Jackson hatte Microsoft im vergangenen April wegen Monopolmissbrauchs und anderer Verstöße gegen die Kartellgesetze verurteilt und im Juni folgerichtig die Zweiteilung des Unternehmens verfügt. Da hatte sich indes noch der damalige Kartellamtschef Joel Klein energisch hinter den Fall geklemmt. Nach dem Regierungswechsel heuerte Klein bei Bertelsmann an. Der neue US-Präsident berief den relativ jungen James, der schon unter Bushs Vater gedient hatte. Experten hatten beim Machtwechsel bereits vermutet, die neue Regierung werde sich mit weniger drastischen Maßnahmen zufrieden geben, statt auf der in erster Instanz verfügten Zerschlagung zu bestehen. Mit Vergleichsverhandlungen wird indes nicht gerechnet, bevor das Bundesberufungsgericht im Juni sein Urteil spricht. Der Fall wird dort ab dem 26. Februar verhandelt. Schon im Wahlkampf hatte Bush betont, beim Umgang mit Microsoft müsse die wichtige Rolle berücksichtigt werden, die der Softwarekonzern für den technologischen Fortschritt spiele. Auch James vertrat diese Linie: Die Verbraucher hätten von der durch Microsoft geschaffenen einheitlichen Software-plattform mit dem Betriebssystem Windows profitiert, sagte er im April und warnte, eine Zerschlagung des Konzerns würde diese Plattform zusammenbrechen lassen. Gates droht neuer Ärger Ashcroft, in dessen Ressort die Kartellbehörde angesiedelt ist, zeigte sich zuletzt zwar davon überzeugt, dass Microsoft tatsächlich ein Monopol bei den Betriebssystemen hat. Er sei jedoch kein Freund staatlicher Einmischung in die Unternehmensführung. Gates sieht sich indes längst nach anderen Plattformen um: Zuletzt stieg sein Haus beim kanadischen Konkurrenten Corel ein, der Microsoft nicht nur bei der Anwendungssoftware wie Text- und Grafikprogrammen Marktanteile abnimmt, sondern auch noch auf das kostenlose Betriebssystem Unix setzt - wieder ein Fall für die Kartellwächter. (AFP)