Vier Jahre hat der Journalist Anatol Wiecki die Justiz beschäftigt. Gestern fiel das Urteil: Ein Freispruch vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung. Der 35-jährige Wiecki hatte im August 2003 auf einem U-Bahnhof Kontrolleure der BVG im heftigen Disput mit einer Schwarzfahrerin beobachtet - und mit einer Kamera gefilmt. Er arbeitete damals für den offenen Kanal. "Kamera aus" sollen ihn die Kontrolleure angeherrscht haben. Was danach geschah, spielte sich nach den Worten von Anatol Wiecki so ab: "Vier kamen auf mich zu und verlangten den Film. Ich habe ihnen meinen Presseausweis gezeigt. Sie ließen mich nicht gehen."An Armen und Beinen wurde er über den Bahnsteig geschleift. Ein Arzt attestierte danach Hämatome an Armen und Beinen. Die Ermittlungen gegen die Kontrolleure waren eingestellt worden. Sie hatten behauptet, nur aus Notwehr gehandelt zu haben, weil Wiecki einem von ihnen mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. Sechs Verhandlungstermine gab es gegen Wiecki, vier platzten, weil als Zeugen geladene Kontrolleure nicht kamen. Die, die dann aussagten, konnten sich angeblich nicht mehr an Details erinnern oder erklärten, ihnen sei bei Schulungen nie gesagt worden, dass Journalisten auf Bahnhöfen filmen dürften. Einer hatte auf die Frage, ob er bei seinem Kollegen eine Verletzung im Gesicht bemerkte, die von einem Faustschlag stammen könnte, deutlich Nein gesagt. Der Richter hielt die Zeugen schließlich für unglaubwürdig. Der Staatsanwalt hatte ebenfalls einen Freispruch gefordert. Noch immer wartet Anatol Wiecki auf eine Entschuldigung der BVG. (sd.)