Für Fahrgäste, Kenner und Liebhaber der Berliner Straßenbahn gibt es eine gute und einige schlechte Nachrichten. Die Züge der Linie 68 werden auch in Zukunft über den S-Bahnhof Grünau hinaus zum Strandbad Grünau fahren - von einer Stilllegung dieses Teilstücks ist nicht mehr die Rede. Doch dafür stehen fünf andere Straßenbahnabschnitte definitiv vor dem Aus. Jetzt steht fest, in welcher Reihenfolge die durch Köpenick und Pankow führenden Tramstrecken außer Betrieb gesetzt werden sollen. Thomas Necker, der Betriebsvorstand der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), hat die Stilllegungspläne präzisiert."Die Bahn zum Strandbad Grünau ist notwendig, weil wir das Bad mit dem Bus nicht anschließen können", sagte er. Dagegen ließen sich Karolinenhof und Schmöckwitz gut auf der Straße erreichen. Der Bus sei nicht nur schneller, sondern auch wirtschaftlicher. Pro Tag seien im Durchschnitt nicht einmal tausend Fahrgäste auf diesem Teil der Linie 68 unterwegs. "Wir müssten dort in nächster Zeit vier Millionen Euro investieren - das rechnet sich bei dieser geringen Nachfrage nicht", teilte der BVG-Vorstand mit.Kritiker argumentieren, dass der Großteil des Geldes für den Umbau von Haltestellen vorgesehen sei. Die BVG will ihre tschechischen Tatra-Züge durch Straßenbahnen ersetzen, die mit 2,40 Meter 20 Zentimeter breiter sind. "Für die neuen Bahnen müssen wir zwar Waschanlagen umbauen, aber nicht unsere Strecken und Haltestellen", entgegnete Necker. Auf der Linie 68 müsse der Oberbau saniert werden. Schwellen seien gerissen, außerdem müssten zwei Gleisbögen ausgetauscht werden - jeder koste 600 000 Euro. "Die Strecke wird auf Verschleiß gefahren", so Oktay Yurdakul, Leiter der Technischen Aufsichtsbehörde des Senats. "Wenn man sie nicht saniert, müssten wir uns über eine Sperrung unterhalten. Das kann im Herbst 2006 sein, vielleicht im April 2007." Dabei sei die Stromversorgung der "Uferbahn" aufwändig erneuert worden, sagen die Kritiker.In der BVG-Stilllegungs-Chronologie folgen die Strecken von der Bölschestraße zum Alten Wasserwerk (Linie 60) und vom S-Bahnhof Friedrichshagen nach Rahnsdorf (Linie 61). Auch dort sei die Zahl der Fahrgäste viel zu gering. Möglicherweise vom Ende dieses Jahrzehnts an, wenn frühere Investitionen abgeschrieben sind, könnten Busse den Verkehr übernehmen. Ähnlich sei der Zeithorizont für die Verbindung, die nach Niederschönhausen zur Schillerstraße führt (Linie M 1)."Auch die Stichstrecke nach Rosenthal-Nord ist infrage zu stellen. Wegen ihrer geringen Auslastung ist sie ebenfalls in unserem Fokus", sagte der BVG-Vorstand. Doch weil dieser Abschnitt der M 1 noch gut in Schuss ist, wäre eine Stilllegung "kein Thema für dieses Jahrzehnt" - sondern erst für das kommende.------------------------------Grafik: (3) Straßenbahn-Teilstrecken in Köpenick und Pankow vor dem Aus