Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat aus dem Stand heraus den Einzug in alle zwölf Berliner Bezirksparlamente geschafft. In neun Bezirken erzielte sie zweistellige Stimmergebnisse. Am stärksten schnitt sie in Marzahn-Hellersdorf ab, dort wurden die Rechtspopulisten knapp hinter der Linkspartei sogar zweitstärkste Kraft. Somit steht fest: Die AfD regiert jetzt auf kommunaler Ebene mit. In sieben Bezirken ist die Partei  sogar so stark, dass sie einen von fünf Stadtratsposten besetzt.

Jeanette Auricht   hatte mit einem Ergebnis für ihre Partei in Marzahn-Hellersdorf von bis zu 20 Prozent gerechnet. Ihre Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Die 46-Jährige ist die AfD-Bezirksvorsitzende in Marzahn-Hellersdorf. In dem Bezirk am östlichen Stadtrand haben in den vergangenen Jahren viele Bürger gegen die Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften protestiert. Die Bevölkerung ist  sozial verunsichert, sie fühlt sich  vernachlässigt, hat Angst vor steigenden Mieten. Von dieser Stimmung konnte die AfD profitieren. „Wir haben zwei bis drei Kandidaten, die als Stadtrat infrage kommen“, sagt  Jeanette Auricht. Namen nennt sie nicht.

Keine Lust aufs Friedhofsamt

Außer in Marzahn-Hellersdorf wird die AfD künftig Stadtratsposten auch in den Bezirken Lichtenberg, Treptow-Köpenick, Reinickendorf, Spandau,  Neukölln sowie überraschenderweise auch in Pankow besetzen. „Das ist fantastisch, das ist sensationell“, sagt Karsten Woldeit, der AfD-Spitzenkandidat in Lichtenberg. Das gute Abschneiden seiner Partei in Lichtenberg führt er darauf zurück, dass viele Gespräche mit den Bürgern geführt wurden. Die AfD-Spitzenkandidaten erheben allerdings keinen Anspruch darauf, die Stadtratsposten selbst zu besetzen. „Wir machen uns natürlich Gedanken. Wir haben viel gutes, qualitativ starkes Personal, das Erfahrung in Politik und Verwaltung hat“, sagt Woldeit.

Auf ihren Wahlerfolg scheint  die AfD besser vorbereitet zu sein als die Piraten vor fünf Jahren. Zumindest haben sie so viele Kandidaten aufgestellt, dass  in den Bezirksparlamenten keine Plätze frei bleiben müssen.  Auch ist nicht damit zu rechnen, dass sich  die AfD-Politiker  mit kleinen Verantwortungsbereichen in den Bezirksämtern − etwa  dem Friedhofs- oder dem Umweltamt − abspeisen lassen werden. „Wir wissen, dass es diese Gedankenspiele in anderen Parteien gibt. In den Bezirken geht es aber nicht um ideologische Fragen, sondern um kommunale Arbeit. Wir wollen diese Sacharbeit leisten“, sagt Karsten Woldeit.

Ihre schwächsten Ergebnisse hat die AfD in Friedrichshain-Kreuzberg,  Mitte  und Charlottenburg-Wilmersdorf erzielt. Dort  kam sie gerade mal auf einstellige Ergebnisse.

In vielen Bezirken wurde schon vor der Wahl überlegt, wie man künftig mit der AfD umgeht. Eine Zusammenarbeit schließen SPD, CDU, Linke und Grüne aus. Auch wollen sie die möglichen Stadträte der AfD nicht wählen. Vielmehr spielten sie verschiedene Szenarien durch. So soll die Wahl von AfD-Stadträten zunächst mit einer großen Mehrheit abgelehnt werden, um ein politisches Signal zu setzen. Bürgermeister sagen aber bereits, dass AfD-Stadträte, wenn sie fachlich geeignet sind, über kurz oder lang gewählt werden. Aber nur mit den Ja-Stimmen ihrer eigenen Partei, die anderen Parteien wollen sich enthalten oder nicht an der Abstimmung teilnehmen.