Berlin - Sie tragen Namen wie Uferkrone, 52 Grad Nord und Glanzfilmfabrik und haben eines gemeinsam: Es sind Namen für neue Wohnviertel in Wasserlage in Treptow-Köpenick, die auf Industriebrachen entstehen. Bis zum Jahr 2030 könnten im Bezirk bis zu 28.000 neue Wohnungen gebaut werden. Zu derzeit gut 254 000 Einwohnern kämen 60.000 hinzu – das entspräche einem Zuwachs von fast 25 Prozent.

Platz ist reichlich vorhanden: Nach dem Mauerfall wurden viele Industriebetriebe stillgelegt. Allein entlang der Lindenstraße entstehen Hunderte Wohnungen. Ebenso viele sind es am Spreeufer gegenüber, auf dem ehemaligen Rewatex-Gelände sowie an der Grünauer Straße, wo einst Berlin-Chemie produzierte. Platz für gut tausend Wohnungen gibt es auf dem alten Bolle-Gut an der Wendenschlossstraße. Die meisten dieser Angebote privater Investoren sind teure Eigentumswohnungen. Nachfrage nach eher preiswerten Mietwohnungen wird von den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften bedient, die ein Dutzend großer Bauvorhaben unter anderem in Adlershof und Niederschöneweide realisieren. Der Begriff der wachsenden Stadt ist in nur wenigen Bezirken so erlebbar wie in Treptow-Köpenick.

Familien zieht es in den Südosten

Dumm nur, wenn die Infrastruktur da nicht mithält. Die Schaffung neuer Kita- und Schulplätze und die Verkehrsproblematik sind zurzeit große Themen im Bezirk. Schon jetzt steht man dort häufig im Stau, was mit den vielen neuen Bewohnern noch verschärft werden dürfte. Beim Straßenneu- und Ausbau ist man aber auf den Senat angewiesen. Die wichtige, aber marode Salvador-Allende-Brücke soll nun endgültig ab 2017 abgerissen und neu gebaut werden, eine neue Spreebrücke, die in Oberschöneweide für Verkehrsentlastung sorgen soll, ist fast fertig. Für die S-Bahnlinie 3 will man bei der BVG kürzere Taktzeiten erstreiten, auch für die Tramlinie 62 in Wendenschloss.

Vor allem Ältere und junge Familien zieht es in den Südosten, der mit Wasser, Wald und viel Grün lockt. Im Spreepark im Plänterwald wird gerade das Rummel-Erbe aufgeräumt, er soll ab 2017 wieder zugänglich sein. So wie auch das benachbarte Ausflugslokal Eierhäuschen, das mit EU-Mitteln saniert wird. Rund 1 700 neue Kitaplätze wurden geschaffen, weitere sind geplant. Mehrere leer stehende Schule werden reaktiviert und am Wissenschaftsstandort Wista in Adlershof ist ein neuer Schulcampus geplant.

Ende der Partnerschaft

Im Bezirksamt bescheinigte man sich eine „grundsätzlich gute“ Zusammenarbeit. SPD und CDU, die eine Kooperation vereinbart hatten, haben diese aber längst aufgekündigt. Bei einigen Themen gab es sogar offenen Streit. So zur Zukunft des Jugend- und Sportprojekts Mellowpark, wo Skater und BMX-Fahrer sich zu Freizeit- und Leistungssport treffen. Der Fußballverein 1. FC Union hatte ein Auge auf das Gelände gegenüber der Alten Försterei geworfen – für sein Nachwuchsleistungszentrum. Um der SPD zuvorzukommen, die diesem Wunsch nicht abgeneigt schien, schufen die Stadträte von CDU (Sport) und Linken (Jugend) Tatsachen: Sie verlängerten kurzerhand den Nutzungsvertrag für den Mellowpark. Union soll jetzt am Bruno-Bürgel-Weg ein Areal erhalten.

Auch die Flüchtlingspolitik entzweite die Partner. Das Bezirksamt hatte den vom Senat geplanten Bau eines Containerdorfes in Altglienicke akzeptiert. Einvernehmlich. Doch dann protestierte die CDU gegen den Bau und griff damit Proteste von Anwohnern auf, die meinten, ihr Ortsteil werde überproportional „belastet“.

Die SPD, so viel ist sicher, wird in Altglienicke herbe Einbußen hinnehmen müssen. Ob es aber die CDU schafft, das Direktmandat in Altglienicke, das bislang der SPD gehörte, zu erlangen, bleibt abzuwarten. Denn auch AfD und NPD haben sich dort stark engagiert.