Berlin - Drei Jahre lang war es in der on ihm für zehn Millionen Euro und streng nach Denkmalschutzvorgaben sanierten Architekturikone der Sechzigerjahre meist dunkel. Nix los unterm Sputnik und hinter der Mosaik-umzierten Tür zu einer der legendärsten Restaurationen Ost-Berlins.

Einheimische wie Touristen wunderten sich, wenn sie die zugezogenen Glasfronten des vom Architekten Josef Kaiser im „International Style“ entworfenen Flachbaus sahen und doch so gerne eingekehrt wären. Ob nun aus Neugier oder aus Nostalgie. Der Unmut indes traf nicht den unlustigen Pächter, die Event-Firma E-Werk, sondern den Besitzer. Der könne doch nicht erst so viel Geld reinstecken und dann so desinteressiert sein, beklagten sich erboste potenzielle Café-Moskau-Gäste, die bei den wenigen Events mit „Geschlossenen Gesellschaften“ keine Zutritts-Chance hatten.

Die nächste Chance wartet schon

Karstadt-Investor und -Sanierer Nicolas Berggruen, 49, Sohn des Kunstsammlers und Berliner Museumsstifters Heinz Berggruen, hatte das Café gekauft und 2008 penibel restaurieren lassen. Aber wer nun hoffte, das einstige DDR-Prestigeobjekt würde wieder der Kultort von vor 1989, wurde enttäuscht. Die Pächter des architektonischen Schmuckstückes mit Geschichts-Bonus wussten mit dem Haus, seinen einstigen Restaurants, Tanzflächen, Bars, Ausstellungsmöglichkeiten so gar nichts anzufangen.

Ein, zweimal im Monat gingen die Lichter der Sixties-Designerlampen an für elitäre Events der Auto-, Film- und Modebranche. Dann war es wieder für Wochen zappenduster. Der versprochene Clubbetrieb dümpelte vor sich hin, von einem quirligen, amüsanten (Tanz-)Café wie einst keine Spur. Das E-Werk zahlte dem Besitzer zudem lange Zeit nur stockend, schließlich gar keine Miete mehr.

Berggruen riss also endlich der Geduldsfaden, gestern kündigte er dem Betreiber E-Werk. Auf die ausstehende Miete (immerhin im sechsstelligen Bereich) wird er wohl lange warten müssen. Doch nun soll sich alles ändern, wie Berggruens Sprecherin Ute Kiehn versichert. Die neue Chance fürs Café Moskau und dessen Öffnung zu den Leuten in dieser Stadt liegt nun bei zwei jungen Frauen: Lisa Wege und Katajun Fakhoury von der Berliner Veranstaltungsagentur Wahre Werte. Man werde mit der Berggruen-Holding eng zusammenarbeiten heißt es, damit das „Moskau“ endlich das wird, was es längst wieder sein sollte: ein Stück Berlin.